Wie man hört, redet Chrysler-Chef Lee Iacocca in letzter Zeit immer öfter davon, was er alles besser machen würde, "wenn ich Präsident wäre". Iacocca im Weißen Haus – warum nicht? Was ein Ex-Filmschauspieler kann, sollte einem Ex-Autoverkäufer schon lange möglich sein. Zumal das Gesicht von Chairman Lee jedem Fernsehzuschauer in Amerika bekannt ist und die Öffentlichkeit es ihm zuschreibt, daß Chrysler immer noch nicht pleite ist.

Chryslers Fortune und Iacoccas Popularität sind zu einem erheblichen Maße das Resultat einer geschickten Werbekampagne. Den Werbern der Agentur Kenyon & Eckhardt, die früher jährlich für 75 Millionen Dollar die Trommel für Ford rührten, kam nach ihrem Überwechseln zu Chrysler die Idee, den Boß des Unternehmens in den TV-Commercials selbst auftreten zu lassen. Lee Iacocca in der Rolle von Lee Iacocca.

Anfangs beschränkte sich Iacocca darauf, in den letzten zehn Sekunden der Commercials in die Kamera zu blinzeln und zu versichern, "ich bitte Sie, nicht irgendein Auto auf blindes Vertrauen zu kaufen. Ich bitte Sie, zu vergleichen." Die Resonanz dieser Sendung veranlaßte die Werbeagentur, ihre gesamte Kampagne auf Lee Iacocca zuzuschneidern. Seit zwei Jahren flimmert das Gesicht Iacoccas ständig über sämtliche Kanäle und seine Hakennase ist zu einem einprägsameren Symbol des ums Überleben kämpfenden Autokonzerns geworden als dessen Firmenzeichen.

Daß der Boß eines Unternehmens als Werbeonkel auftritt, ist in den USA zwar nichts Ungewöhnliches. Bislang waren es aber zumeist Besitzer von Einzelhandelsfirmen, die aus Kostengründen in eigener Person über den lokalen Fernsehsender Reklame für ihr "preiswertes Möbelsortiment" oder ihre "riesige Auswahl neuer und gebrauchter Wagen" machten. Aber inzwischen kommt es immer häufiger vor, daß bei großen Herstellerfirmen der Chef des Unternehmens die Rolle des obersten Werbeakteurs übernimmt.

Vielfach handelt es sich dabei um Unternehmen, die wie Chrysler in Schwierigkeiten stecken und deren Werbung einen Bestandteil dringend nötig hat: Glaubwürdigkeit. Und dem Chairman eines Konzerns nehmen die amerikanischen Fernsehzuschauer offensichtlich mehr ab als einem angeheuerten Schauspieler mit öligeinschmeichelnder Stimme.

Für Chrysler ging es nicht nur darum, glaubwürdig zu machen, daß die Autos des Unternehmens keine Rostkisten sind oder andere Gebrechen haben, sondern es ging darum, die Kunden, die Händler, Zulieferanten und die Chrysler-Arbeiter davon zu überzeugen, daß Chrysler nicht untergeht.

Ihre Produkte selbst im TV anzupreisen, hat sich aber auch als richtige Strategie für ehrgeizige Firmenchefs erwiesen, die ihr Produkt im ganzen Land schnell bekannt machen wollen. Das Musterbeispiel dafür ist "Mr. Frank Peraue", der im Fernsehen und Radio angekündigt wird. Mr. Perdue wirkt auf den ersten Blick nicht gerade wie ein Konsumverführer. Er ist ein kleiner magerer Mann mit spiegelblanker Glatze und mit hervortretendem Adamsapfel, der ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Hühnchen verleiht. Könnten Hühner sprechen, so hätten sie wahrscheinlich so eine Fistelstimme wie Mr. Perdue. All das hat wahrscheinlich erheblich mit zu seinem Erfolg beigetragen, denn sein Aussehen und seine Stimme passen perfekt zu dem Produkt, für das er Werbung macht. Mr. Perdue verkauft Hühnchen.