Beachtlich

"Der Drachentöter" von Matthew Robbins ist eine Paramount/Walt-Disney-Produktion mit den "special effects" der George-Lucas-Firma "Industrial Light & Magic", die versucht, die phantastische Magie der Zauberlehrling-Sequenz aus Disneys "Fantasia" mit den Mythen von "Star Wars" zu verbinden. Sie hat zwei wunderbare Stars. Der eine heißt "Vermithrax Pejorative" (der böse Wurm aus Thrakien): ein schuppiger, schwimmender, feuerspeiender, fliegender und Jungfrauen verspeisender Tatzelwurm, der seinem Namen vollauf gerecht wird. Der andere ist Sir Ralph Richardson als Zaubermeister Ulrich: wie Merlin in "Excalibur" der letzte Magier eines zu Ende gehenden Goldenen Zeitalters, der mit Ironie und Trauer seine Tricks zelebriert. Matthew Robbins (Autor und Regisseur) und Hal Barwood (Autor und Produzent) – sie schrieben 1973 das Drehbuch zu Steven Spielbergs "Sugarland Express" – wollten keinen simplen Monsterfilm drehen, sondern erreichen, was J. R. R. Tolkien ("Der Herr der Ringe") einmal in einem Essay von der "Fantasy"-Literatur forderte: die Wiederentdeckung der kindlichen Perspektive von der Welt. Zwar ist ihnen die Balance zwischen dem ursprünglich Naiven und dem (unfreiwillig) Parodistischen – da das Drachenopfer eine Jungfrau sein muß, fragt man sich, warum die männlichen Teenager diesem Zustand nicht einfach ein schnelles Ende bereiten – nicht immer ganz geglückt. Doch oft erinnert dieser schöne Fantasy-Film in seinen Bildkompositionen – Kamera: Derek Vanlint ("Alien") – an die Illustrationen alter Märchenbücher. "Dragonslayer" suggeriert, daß Magier und Drachen im Grunde zu erschreckend, zu fremdartig und zu grandios sind für die Menschen. Am Ende hat das Christentum Fuß gefaßt, sind geniale Phantasten wie Ulrich durch clevere, korrupte Könige und demütig-geduckte Priester ersetzt worden. Die alte kraftvolle Magie ist für immer dahingegangen; Doch Richardson und Vermithrax haben ihr ein glorioses Finale verschafft.

Helmut W. Banz

Bemüht

"O wie Oblomov" von Sebastian C. Schroeder. Zu Namen nimmt Zuflucht, wer beim Telephonieren, um jedes Mißverständnis auszuschließen, etwas durchbuchstabiert. A wie Anton, Z wie Zeppelin. Man kann auch spielen und sich auf A wie angerichtet oder Z wie Zelluloid beziehen. Das ist beliebig, solange die Phantasie nur an ihren Ausgangspunkt gebunden bleibt. Sebastian, C. Schroeder hat sich eine Parodie auf einen Altlinken ausgedacht, den er Niklaus Nepro nennt, oder auch N. N. So werden anonyme Vorlesungen an Universitäten angekündigt. Hier reicht es nur zum Studentenulk. Der Held sonnt sich im Fett der Selbstgefälligkeit auf einer Bettstatt, in der rote und grüne Laken miteinander konkurrieren. Um ihn herum Sperrmüll. Aus seinem Munde: Material aus gleichem Stoff, Sprüche, Weisheiten, Oberflächengeplänkel. Innen herrscht die Scharlatanerie und außen die Gewalt. Die Außenwelt spiegelt dieser Oblomov sich nicht durch Faulenzerphantasien ein, sondern durch Videobänder. Zürich 1968 gegen Zürich 1980. Der große Aufbruch, und dann bleibt der neue Mensch im Packeis stecken. Dazwischen vermitteln soll eine von Ehrgeiz zerfressene Journalistin, die sich abquält, von diesem Aussteiger ein alternatives Fernsehporträt zu entwerfen. Nepro, der sich allmächtig gibt wie ein k. und k. Stationsvorsteher im Westgalizischen, vermasselt ihr die Tour. Er läßt provokant einen Teller fallen und verkündet maliziös, es sei angerichtet. Das stimmt. Nur ist Schroeder der Koch, der in seine Inszenierung alles hineinrafft, was zwischen Zürich und Berlin gern heiß gegessen wird. Die Durchbrechung der ersten Ebene des Films durch eine zweite, noch bevor die erste etabliert ist: Koketterie mit Tu nix wie Tu wat; die Auflösung von Haltungen in Attitüden, von Witz in Witzelei. Das alles ergibt ein eher schlaffes Geplänkel, ohne Biß und Reibungsflächen. Auch sind die Apathie und Aggression der seltenen Augenblicke, in denen nicht den Klischees, die in der Luft liegen, nachgezappelt wird, nicht dazu angetan, den Zuschauer in Schrecken erstarren zu lassen. Dieser Aussteiger, ein linkes Ekel, posiert als Märtyrer der Mittelmäßigkeit, der es sich in opportunen Bildern bequem macht. Auch der Film richtet sich zwischen roten und grünen Laken ein. Eine bunte Wiese für alle, die schon immer wußten, wie das enden muß. Karsten Witte

Langweilig

"Das Böse unter der Sonne" von Guy Hamilton ist das jüngste Beispiel jener Serie ("Mord im Orient-Expreß", "Tod auf dem Nil", "Mord im Spiegel"), die einen Roman von Agatha Christie zum Vorwand nimmt, ein erlesenes Starensemble in mehr oder minder exotischer Kulisse zu versammeln – und die Geduld des Zuschauers zu strapazieren. Wenn sich hier nach und nach extravagant gekleidete Gäste einzeln oder zu zweit im Luxushotel auf einer adriatischen Ferieninsel einfinden, beginnt man bereits zu zweifeln, ob man einen Krimi sieht oder eine Modenschau für Strandkostüme der dreißiger Jahre. Zumal die Musik entsprechend stimmig ist: ein buntes Potpourri von Cole-Porter-Melodien, das zu jeder Kaufhauspräsentation neuester Nostalgie-Kollektionen passen würde. Während die Herren (Peter Ustinov, James Mason, Roddy McDowell, Nicholas Clay), in Knickerbocker, steifes Leinen und Würgekrawatten gezwängt, einen aussichtslosen Kampf mit hölzernen Dialogzeilen ausfechten, erwecken die Damen (Diana Rigg, Jane Birkin, Sylvia Miles, Maggie Smith) immerhin den Eindruck, zum Wettbewerb angetreten zu sein um einen Platz in der Welt-Besten-Liste der am auffälligsten gekleideten Ladys. Irgendwann wird dann ein ehemaliger Revuestar erdrosselt aufgefunden, und endlich hat Meisterdetektiv Hercule Poirot (Peter Ustinov schlafwandelt zum zweitenmal mit trügerisch trägem Charme durch diesen Part) Gelegenheit, seine "kleinen grauen Zellen" zu aktivieren. Denn da sind neun Verdächtige, die allesamt ein Motiv, aber auch ein Alibi haben. Auch wenn er zum Schluß gekonnt das Alibi des Mörders knackt, vermag eine solche Hommage an ehrwürdige Krimi-Konventionen nicht zu verleugnen, daß es sich bei dieser Christie-Verfilmung weniger um ein "who-done-it" handelt als um ein "werhat’s-kostümiert". Die Namen der eigentlichen Mörder (der des Christie-Romans) muß man nicht raten: sie sind im Vorspann genannt.