DIE ZEIT

Sprung über den Abgrund

Der Militärrat in Polen wagt einen kalkulierten, doch halsbrecherischen Sprung. Es ist ein Sprung über jenen "Abgrund zwischen Regierenden und Regierten", der sich – wie die polnischen Bischöfe schon am 26.

Francos Schatten verblaßt

Am Wochenende ist in Spanien eine militärische Verschwörung aufgedeckt worden. Drei Offiziere wurden verhaftet, aber fast 200 Obristen und Majore sind verdächtig, für den 27.

Kein Aufbruch – kein Abbruch

Der Bundeskanzler kam ohne Umschweife zur Sache. "Der Bildung dieser Bundesregierung ist eine lange, schwelende Krise vorausgegangen, deren Ursachen sich auf Jahre zurückverfolgen lassen.

Nadelstreifen umwirbt Latzhose

Alle reden von der "neuen Mehrheit links von der CDU", Klaus von Dohnanyi muß mit ihr leben. Monatelang hat Hamburgs Erster Bürgermeister versucht, aus dem Begriff eine Realität zu machen.

SPD und Grüne

Für die SPD gibt es im übrigen kein Sich-Abschotten. Das hat es bei uns nie gegeben. So wie wir von altersher bei Handwerksmeistern, bei Wissenschaftlern, bei Künstlern Unterstützung fanden, so sind wir Ansprechpartner für Teile des sozial-liberalen Bürgertums, und so begegnen wir in aller Offenheit den Kräften, die aus neuen sozialen Bewegungen kommen.

SPD und Jugend

Was treibt denn den kritischen Teil der jungen Generation um? Wo liegen denn die Wurzeln ihres Protestes? Ich glaube, es ist die Sorge, der gegenwärtige Zustand unserer – und nicht nur unserer – Gesellschaft könnte sich rasch zum Schlechten verändern, ja sogar Katastrophen bisher unbekannten Ausmaßes seien nicht mehr auszuschließen.

Zeitspiegel

Der Auszug der PLO-Kämpfer aus West-Beirut brachte den westlichen Geheimdiensten unverhoffte Aufschlüsse. Mit den Freischärlern verließen nämlich zahlreiche Ostblock-Agenten die eingeschlossene libanesische Hauptstadt.

Signale aus dem Fegefeuer

Erstaunlich diese Fähigkeit Bonns, sich auf das einzurichten, was man in der Hauptstadt "Aktualität" zu nennen pflegt! Der Regierungswechsel, kaum vollzogen, scheint glatt konsumiert.

Kohls Küchenkabinett

Philipp Jenninger, in der neuen Regierung Staatsminister im Kanzleramt: Ohne ihn war Helmut Kohl in Bonn so gut wie nie zu sehen.

Wahlkampf in Bayern: Rot sehen, grün ärgern, schwarz wählen...

Am Abend des Freitags, an dem Tag, als in Bonn die Koalition wechselte, versammelten sich im Haus des Trachtenvereins zu Königsbrunn in Bayerisch-Schwaben sechs Vorstandsmitglieder der örtlichen FDP und 17 ihrer Anhänger, um sich Mut für die Landtagswahl am 10.

Moskau - Peking: Annäherung in Raten

Vorsichtig nehmen China und die Sowjetunion wieder Kontakt auf. Am Sonntag traf der stellvertretende sowjetische Außenminister Leonid Iljitschew zu Vorgesprächen in Peking ein.

Unsanftes Erwachen aus einer Liebeswerbung

Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) war just aus dem Amt geschieden, als der alljährlich – für das Vorjahr – zu erstattende und vom Innenressort zu vertretende "Verfassungsschutzbericht" in Druck ging.

Die Parade der schmucken Kriegshelden

Falkland und kein Ende: Nach dem Falkland-Gottesdienst, dem Falkland-Fonds, dem Falkland-Fernseh-Epos, den Falkland-Video-Kassetten, der Falkland-Andenken-Industrie und dem Falkland-Orden folgt am kommenden Dienstag die Falkland-Parade in der Londoner City.

Faschismus auf chinesisch

Noch immer ist in China eine Art kollektiver Erleichterung zu spüren, daß die Große Proletarische Kulturrevolution endgültig vorüber ist.

Einfrieren oder abrüsten?

Die Sommerpause ist zu Ende. Russen und Amerikaner sprechen in Genf wieder über die Begrenzung ihrer strategischen Waffenarsenale.

Kriegerdenkmal-Umwidmung: Stein des Anstoßes

Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen", prangt über den eingemeißelten Viererreihen der Soldaten. Errichtet wurde das Kriegerdenkmal am Hamburger Dammtor 1936 durch die Nationalsozialisten, mitten in ihrem Rausch von Kriegsvorbereitungen und Kriegslust.

Mit beiden Beinen fest auf einer Wolke

Nebel im Hamburger Rathaus. Während die äußeren Konturen des pompösen Senats- und Bürgerschaftsgebäudes im strahlenden Licht der ungewöhnlich schönen Herbsttage klar zu erkennen sind, verschwinden innen die politischen Akteure der Hansestadt im Dunst.

Nichtseßhafte: Vorurteile wegsaniert

Sechs Jahre lang stand das dreigeschossige Hinterhaus im hannoverschen Arbeiterviertel Linden leer. Die Sanierung war der Stadt zu teuer, irgendwann sollte es abgebrochen werden.

Verschwundene Prüfungsbögen: Unordnung im Amt

Der Staat hat keine treuen Hände. Allzu oft verschwinden bei ihm Akten und Unterlagen. Wer das Thema anschneidet, stößt allerorts auf Unbehagen, Klagen, ärgerliche Erinnerungen und Wut: Der Staat benimmt sich nämlich nicht besonders fein, wenn er Papiere der Bürger in der Versenkung verschwinden ließ.

Der Multi aus dem Morgenland

Die Entgegnung war ebenso knapp wie mehrdeutig. Zu des Reporters schmeichelhaftem Vorschlag, die Kuwait Petroleum Corporation künftig die "Achte Schwester" zu nennen, fiel deren general manager Abdul Razzak Mulla Hussein nur dies ein: "Ich bin ein Bruder.

Nicht mit den Ellenbogen

Die Regierung Kohl hat einen perfekten Start zustande gebracht. Daß die Mitglieder des neuen Kabinetts ihre Arbeit damit begannen, die eigenen Gehälter zu kürzen (die Sozialisten und Kommunisten der Regierung Mitterrands machten es umgekehrt und bedachten sich erst einmal selbst reichlich), hat einen guten Eindruck gemacht.

Wirtschaftspolitik: Reagan darf kein Vorbild sein

Im Lager der Union wurde das wirtschaftspolitische Konzept des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan viel bewundert. Zum Amtsantritt der neuen Bundesregierung ist darum eine Zwischenbilanz der "Reaganomics" vielleicht nützlich.

Bonner Kulisse

Noch vor dem Machtwechsel in Bonn galt es als ausgemachte Sache, daß die Führer der Unionsparteien beim Einzig ins Kanzleramt und in den Ministerien unter den führenden Beamten möglichst wenig Köpfe rollen lassen würden, Gute Vorsätze lassen sich freilich leichter fassen als verwirklichen.

Viele Pläne - wenig Kasse

Packen wir’s an" – mit dieser leutseligen Floskel, die dem neuen Bundeskanzler Helmut Kohl beim Amtsantritt einfiel, würde gern auch der alte und neue Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff seine Geschäfte beginnen.

Billiger-teurer

Wenn man der Bevölkerung Opfer abverlange, müsse man bei sich selbst beginnen, verkündete der neue Bundeskanzler Helmut Kohl.

Geschwätz von gestern

Im August vorigen Jahres war schon alles klar: Grundsätzlich sprach sich der damalige Oppositionsführer Helmut Kohl gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer aus, denn "wenn wir weiter an der Steuerschraube drehen, wird sich die Leistung noch weniger lohnen, werden noch mehr Menschen ihr Geld ins Ausland bringen", erklärte er dem Millionen-Publikum der Bild-Zeitung.

Lust an der Perfektion

Der Wohnungsbau steckt in einer tiefen Krise. Es wird kaum noch gebaut. Die Baupreise sind schuld, meinen viele; doch der Anteil der eigentlichen Baukosten sank in den letzten Jahren um zwanzig Prozent und beträgt nur noch die Hälfte der Gesamtkosten, die ein Bauherr aufbringen muß.

Österreich: "Nur holen, was da ist"

In Österreich wird derzeit viel Gutes über die deutschen Gewerkschaften und ihre bescheidenen Tarifanhebungen der vergangenen zwei Jahre gesagt – vor allem von den Arbeitgebern.

Soziale Leistungen: Nutznießer wider Willen

Ungeachtet leerer öffentlicher Kassen, eines gewaltigen Schuldenbergs und ständig neuer Sparprogramme auf allen Ebenen der Gebietskörperschaften drängt unser moderner Sozialstaat seine Hilfe gelegentlich Leuten auf, die dies, zumindest in der gegebenen Höhe, nicht wollen und auch nicht nötig haben.

Zeitraffer

Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, mußte weit zurückblättern, um einen Vergleich für die hohe Arbeitslosigkeit im September dieses Jahres zu finden: Über 1,8 Millionen – das entspricht einer Quote von 7,5 Prozent – gab es das letztemal in einem Septembermonat kurz nach dem Krieg.

Preisentwicklung: Auf dem Weg zur Stabilität

Trotz vieler Schwierigkeiten, in denen die Wirtschaft der Bundesrepublik zur Zeit steckt, bei der Entwicklung der Preise bekommt die neue Bundesregierung einen wichtigen Positivposten mit auf den Weg.

Manager und Märkte

Alle reden von der Pleitenflut. Vergessen wird die noch viel größere Zahl "stiller Begräbnisse". So meldeten im August 314 Firmen Konkurs an, aber mehr als sechsmal soviel – nämlich 1881 – wurden schlicht im Handelsregister gelöscht.

Mehr Kontinuität

Hockel: Der Stimmungsumschwung an der Börse ist in erster Linie vor dem Hintergrund der augenblicklichen Wirtschaftlichen Situation zu sehen.

Ein Versuch, die Frage zu beantworten: Ist geistige nur mehr bewahrt in Museen und Bibliotheken, sie aktiver Teil unserer Gegenwart sein?: Die ZEIT-Bibliothek der 100 Sachbücher

Als das ZEIT-FeuilIeton – unterstützt durch die Juroren Rudolf Walter Leonhardt, Hans Mayer, Peter Wapnewski und Dieter E. Zimmer – zur Buchmesse 1978 seine "ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher" vorzustellen begann, wußte keiner der Beteiligten, auf was genau er sich da einließ; angekündigt hatten wir unsere Unternehmung als eine Mischung aus literarischem Spiel und pädagogischem Ernst.

Sigmund Freud: Das Ich und das Es

Diese Arbeit von Sigmund Freud ist die letzte seiner großen theoretischen Abhandlungen. Sie erschien im April 1923. In "Das Ich und das Es" formuliert Freud sein zweites Modell der Psyche.

Abschreibungsgesellschaften: Der lange Abschied des Ernst Willner

Seine Kontrahenten wundern sich über seine "Unverfrorenheit". Ernst Willner in Unterföhring bei München, glückloser Reeder, Anfang des Jahres zusammen mit seinen beiden Brüdern Horst und Heinz als gescheiterter Retter der Kreidler-Fahrzeugwerke in Kornwestheim finanziell schwer in die Bredouille geraten, macht wieder von sich reden: Als er vor zwei Wochen vor einem Kreis überwiegend skeptischer Journalisten als Verkäufer steuerbegünstigter Immobilien debütierte, erzählte er ganz beiläufig, was er mit der von ihm gegründeten und im Abschreibungsgeschäft seit längerem heftig umstrittenen Mega-Petrol-Gruppe vorhat: die "Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und die Einführung der Papiere an den Börsen in New York und Toronto", so die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Italien: Die große Schmelze

Für den Rest des Jahres schickt Rom 13 000 staatliche Stahlarbeiter nach Hause. Aber nicht die Stahlkrise hat den Staat zu dieser Entscheidung gezwungen, Auslöser war vielmehr ein Memorandum der EG-Kommission.

Zahlen für die Zähne

Die Explosion der Krankheitskosten zwingt zu Reformen. Allein für Zahnersatz werden pro Jahr mehr als zehn Milliarden Mark aufgewendet.

Karrieren: Mehr sein als haben

Die hochdotierte Position eines Geschäftsführers der Kölner Pharma-Firma Troponwerke (Eigentümer: Bayer) hatte er erreicht, als nach langem Zweifel für Wolfgang Schneider plötzlich feststand: "Ich stehe nicht mehr dahinter.

Fusionen in den USA: Monopoly der Bosse

Noch fühlt sich Edward L. Hennessy jr. als der Sieger. Der Boß der Allied Corporation in Morristown/New Jersey hat sich im letzten Augenblick an dem Spiel "Fressen oder gefressen werden" beteiligt, auf das sich Bendix-Chef William Agee und Martin Marietta-Chef Thomas Pownall eingelassen hatten (Zeit Nr.

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