Diplomatisch steht die antivietnamesische Widerstandsbewegung in Kambodscha vor einem wichtigen Erfolg: der Anerkennung durch die UN-Vollversammlung. Im Lande selber bereiten Hanois Truppen eine neue Großoffensive vor.

Die Dreierallianz von Ex-Präsident Sihanouk, dessen Ex-Premier Son Sann und den Roten Khmern rechnet fest damit, daß sie von den Vereinten Nationen als legitime Vertretung Kambodschas bestätigt wird. Jetzt wirkt sich aus, daß Sihanouk, der ehemalige Gottkönig, sich an die Spitze des antivietnamesischen Widerstandes gesetzt hat. Hanoi wird damit das Argument aus der Hand geschlagen, die Welt halte, entgegen allen Menschenrechten, unbeirrt an Pol Pots Henkerbande fest, statt das von Vietnam installierte, keines Völkermordes verdächtige Heng-Samrin-Regime zu unterstützen.

Aber auch Sihanouk mußte notgedrungen die Roten Khmer erst einmal aufwerten. Ohne Pol Pots gut organisierte Truppen wäre seine antivietnamesische Allianz machtlos. Die Roten Khmer mit ihren 20 000, möglicherweise sogar 40 000 Guerilleros tragen die Hauptlast im Widerstandskampf gegen die 200 000 Mann starke vietnamesische Armee in Kambodscha; von den 9000 Befreiungsfront-Soldaten Son Sanns und den 3000 Moulinaka-Kämpfern Sihanouks ist wenig zu erwarten – daß die Macht aber aus den Läufen der Gewehre kommt, weiß ganz Indochina seit dem Vietnam-Krieg.

Deshalb haben die fünf Asean-Staaten (Indonesien, die Philippinen, Malaysia, Singapur und Thailand) Sihanouk zur gemeinsamen Front gegen die Invasoren gedrängt. In ganz Südostasien geht die Furcht um, Hanois Machthaber könnten sich Schritt für Schritt zur regionalen Großmacht aufwerfen.

Hanoi wird versuchen, den drohenden Prestigeverlust durch einen entscheidenden militärischen Schlag wettzumachen. Seit drei Jahren setzt die vietnamesische Besatzungsarmee alles daran, den Widerstand der Roten Khmer zu brechen. Die haben sich in den schwer zugänglichen Hügel- und Dschungelgebieten entlang der Grenze zu Thailand verschanzt und dort ihre eigene Republik ausgerufen. Am Ende der Regenzeit werden Hanois Truppen vermutlich eine Großoffensive starten. Egal wie sie ausgeht – die Lage in Kambodscha wird sich abermals verändern:

  • Falls die Roten Khmer sich halten können, werden sie voraussichtlich die Führung in der Gegenregierung beanspruchen. Die Bemühungen der Asean-Staaten, die Rolle der Pol Potisten herunterzuspielen, wären also umsonst gewesen.
  • Werden die Roten Khmer geschlagen, müssen sie sich auf thailändisches Gebiet flüchten. Dann hätte die Allianz einen propagandistischen Vorteil verloren, denn es ist wichtig für sie, "von eigenem Grund und Boden aus. zu operieren". Entscheidender aber wäre, daß die Vietnamesen einen Vorwand hätten, den Krieg auf thailändisches Territorium auszuweiten. Es ist kein Zufall, daß die Roten Khmer in Südostasien häufig mit der PLO im Libanon verglichen werden.

Für die fünf Asean-Staaten ist es deshalb entscheidend, die Sihanouk-Son Sann-Fraktion wenigstens diplomatisch so zu stärken, daß sie nicht mehr übergangen werden kann. Dem Westen wird bedeutet, daß sich nun die Gelegenheit böte, jahrelang Versäumtes wiedergutzumachen.

Gabriele Venzky (Neu-Delhi)