Thomas A. Sebeok / Jean Umiker-Seboek: "Du kennst meine Methode‘. Charles S. Peirce und Sherlock Holmes". Ein originelles, witziges und amüsantes Buch und zugleich eine Einführung in das Denken des amerikanischen Philosophen, Mathematikers, Semiologen und Naturwissenschaftlers Charles Sander Peirce (1839-1914). Ein Methodenvergleich, präzise, penibel fast, also durch und durch ernsthaft und zugleich so spielerisch, daß man diesen Text wie einen Kriminalroman verschlingen möchte. Da werden dem Leser, ganz nebenbei, die Unterschiede zwischen Induktion, Deduktion und der von Peirce favorisierten Abduktion klargemacht, und zwar nicht an irgendwelchen praktischen und gleichwohl abstrakten Beispielen, sondern an bekannten und unbekannten Kriminalfällen des 19. Jahrhunderts: einer gestohlenen Uhr etwa, die auch das berühmte Detektivbüro Allen Pinkerton nicht wieder herbeischaffen konnte, wohl aber der Bestohlene selbst, nämlich Ch. S. Peirce – auf Grund seiner zunächst intuitiven, doch höchst erfolgreichen Methode. Diese Methode gleicht, durchaus überraschend, der Methode, die ein gewisser Sherlock Holmes vor allem in seinen Gesprächen mit Dr. Watson entwickelt und erst zur Vor-, dann zur Aufklärung seiner Fälle benutzt hat. Arthur Conan Doyle, der Autor dieser Detektiv-Geschichten, war selber Arzt und wie Peirce zeitlebens besonders stark an der Chemie interessiert, also in seinem Denken medizinisch wie auch streng naturwissenschaftlich orientiert. Hier liegt die Wurzel der Übereinstimmung, die Sebeok/Umiker spielerisch/ernsthaft beschreiben. Von heute aus, von der Verfallsgeschichte der bürgerlichen Gesellschaft und ihres Denkens aus gesehen, wäre es interessant, diese Wurzeln weiter zu verfolgen. Dazu wäre es allerdings nötig, daß dieses Buch "Du kennst meine Methode" auch hierzulande Schule macht, (edition suhrkamp; Neue Folge 121, Suhrkamp ‚ Frankfurt, 1982; 104 S., 8,– DM.) W. Martin Lüdke