Bauen könnte viel billiger sein

Von Gerhart Laage

Der Wohnungsbau steckt in einer tiefen Krise. Es wird kaum noch gebaut. Die Baupreise sind schuld, meinen viele; doch der Anteil der eigentlichen Baukosten sank in den letzten Jahren um zwanzig Prozent und beträgt nur noch die Hälfte der Gesamtkosten, die ein Bauherr aufbringen muß. Die Bodenpreise dagegen stiegen in den letzten 25 Jahren mehr als doppelt so schnell wie die Baupreise, fast um das Fünfzehnfache, in Großstädten ist das Grundstück häufig teurer als die Wohnung. Außenanlagen sind knapp neunmal, Neben- und Finanzierungskosten gut fünfzehnmal so teuer geworden.

Die Folge: Wohnungsbau lohnt nicht, Baufirmen machen pleite, Arbeitsplätze gehen verloren und jungen Familien laufen Hoffnungen wie Jahre davon. Diese Blockade ist zu überwinden, wenn unnötige Vergeudung abgebaut wird. Die erste von fünf vernünftigen Möglichkeiten liegt beim Grund und Boden.

Hunderttausend Mark für ein Wohngrundstück sind oft eine unüberwindliche Barriere. Es fehlen bezahlbare Parzellen von 200 bis 300 Quadratmetern, wie sie in alten Städten normal waren. Für solche kleinen und preiswerteren Bauplätze gibt es, wenn sie einmal angeboten werden, auch heute genügend Nachfrage, denn sie sind ausgezeichnet geeignet, individuelle Miet- oder Eigentumshäuser mit Vorgarten und Einstellplatz sowie geschütztem Privatgartenbereich kostengünstig’ zu bauen. Fachleuten ist das zwar bekannt, aber die Aufstellung von entsprechenden Bebauungsplänen durch die Gemeinden dauert drei bis neun Jahre.

Zusätzlich gibt es flächenvergeudende Vorschriften: So müssen die Abstände zwischen niedrigen Häusern größer sein als zwischen hohen Gebäuden. Das verteuert in unvernünftiger Weise den Bodenaufwand gerade für beliebtere niedrigere Bauformen.

Garagen müssen mindestens fünf, in einigen Bundesländern drei Meter von der Straße entfernt sein. In Holland stehen sie direkt am öffentlichen Weg. Dennoch hat nachweislich kein Holländer diese Chance genutzt, lästige Nachbarn oder Schwiegermütter zu überfahren, dafür spart er zwischen vier- bis zehntausend Mark Grundstückskosten. "Geht das nicht auch bei uns?", fragte deshalb ein deutscher Landesbauminister seine Beamten. Die Antwort: "Nein, nur wenn Sie die Verantwortung übernehmen."