Alle reden von der Pleitenflut. Vergessen wird die noch viel größere Zahl "stiller Begräbnisse". So meldeten im August 314 Firmen Konkurs an, aber mehr als sechsmal soviel – nämlich 1881 – wurden schlicht im Handelsregister gelöscht. Noch größer ist nach Ermittlung des Fachblattes Die Geschäftsidee allerdings immer noch die Zahl der neu gegründeten Firmen: 2805 allein im vergangenen Monat. Über zweitausend davon wollen sich im Bereich Handel und Dienstleistungen betätigen, 375 eine industrielle Fertigung aufnehmen.

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"Die Stunde der Wahrheit wird im Weihnachtsgeschäft kommen." Karl Georg Hosie, Vizepräsident der Bundesvereinigung Wein- und Spirituosenimport, prophezeit dies mit leichtem Sarkasmus.

Die Importeure ausländischer Spirituosen haben zweifachen Grund zur Sorge: zum einen fürchten sie die Zurückhaltung der Verbraucher auf Grund der allgemein schwierigeren wirtschaftlichen Lage, zum anderen die Auswirkungen der letzten Branntweinsteuer-Erhöhung im April dieses Jahres, der zweiten seit 1981.

Die große Katastrophe, meint Hosie dennoch optimistisch, bahne sich allerdings noch nicht an. Immerhin aber weist die Statistik für importierte Spirituosen im ersten Halbjahr 1982 im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von knapp achtzehn Prozent aus, wobei der Einfuhrwert allerdings nur um rund neun Prozent niedriger lag – Indiz für kräftig gestiegene Preise.

Besser schnitt in der Bilanz die Einfuhr ausländischer Weine ab, die von der Branntweinsteuer-Erhöhung unberührt bleibt Im vergangenen Jahr kletterte das Volumen erstmals auf über zehn Millionen Hektoliter, stolze dreizehn Prozent mehr als 1980. Und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres lag das Plus gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum 1981 auch schon bei fünf Prozent.

Den größten Erfolg verbuchten 1981 die italienischen Weißweine mit einer Steigerungsrate um beachtliche 57 Prozent. Ihnen kamen die schlechten hiesigen Weinernten, ein niedriges Preisniveau und vielleicht auch die jüngsten deutschen Weinskandale offenbar besonders zugute. In der Chemieindustrie werden die Aussichten zusehends trüber. Konnte vergangenes Jahr wenigstens das Exportgeschäft noch die fehlenden Aufträge aus dem Inland kompensieren, so halten sich jetzt auch die ausländischen Kunden von Bayer, BASF und Hoechst zurück.