ZEIT: Herr Höckel, ist Ihre Stimmung auch so gut wie die der Börse, und was erwarten Sie konkret vom Wechsel?

Hockel: Der Stimmungsumschwung an der Börse ist in erster Linie vor dem Hintergrund der augenblicklichen Wirtschaftlichen Situation zu sehen. Die Stimmung entspricht der Hoffnung, wieder in ein richtiges Fahrwasser zu geraten. Als Vorstandsvorsitzender erwarte ich, daß unsere Situation schonungslos aufgezeigt wird, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß die Staatsfinanzen in Ordnung gebracht werden und die Wettbewerbsfähigkeit wieder zurückgewonnen wird. Dies zu erreichen, scheint mir mit einer neuen Regierung am ehesten möglich zu sein.

ZEIT: Rund ein Drittel des Umsatzes von Rheinmetall erwirtschaftet der Sektor Wehrtechnik. Erwarten Sie auch eine Belebung dieses Geschäfts?

Hockel: Angesichts der Haushaltssituation und der notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen wird auch eine neue Regierung kurzfristig keine Wunder vollbringen können. Dies gilt auch hinsichtlich der Entwicklung des Verteidigungshaushaltes. Trotzdem glaube ich, daß die neue Regierung einen vertretbaren Weg zwischen dem verteidigungs- und bündnispolitisch Notwendigen und dem gesamtwirtschaftlich Machbaren finden wird. Mittelfristig erwarte ich sowohl eine gewisse Belebung als auch eine größere Kontinuitat des Geschäftes.

ZEIT: Die Belebung könnte ja auch auf dem Exportsektor erfolgen. Ihr Haus hat sich verschiedentlich gegen bestehende Beschränkungen für den Waffenexport ausgesprochen. Die CDU/CSU ist stets für eine gewisse Lockerung eingetreten. Rechnen Sie nun mit einer Wende?

Hockel: Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, daß die Bundesrepublik ihre verteidigungspolitischen Aufgaben im Rahmen des Bündnisses wirtschaftlich vertretbar nur dann erfüllen kann, wenn sie – jedenfalls in den wichtigsten Bereichen – eine eigene Rüstungswirtschaft zur Verfügung hat. Eine eigene privatwirtschaftlich strukturierte Rüstungswirtschaft unterliegt marktwirtschaftlichen Gesetzen und Regeln. Daher sollte auch ein Rüstungsexport – soweit politisch vertretbar – zur Aufrechterhaltung einer aus nationalen Interessen notwendigen Rüstungswirtschaft beitragen.

Die Rüstungsindustrie hat daher nie an eine Ausweitung ihrer Kapazitäten gedacht. Vertreter der wehrtechnischen Industrie haben schon mehrfach deutlich gemacht, daß sich die Bundesrepublik in ihrem Rüstungsexportverhalten dem der Bündnispartner annähern sollte. Damit würden auch Hemmnisse in der Rüstungskooperation abgebaut. Ich hoffe und rechne damit, daß es der neuen Bundesregierung möglich sein wird, eine – bei Aufrechterhaltung einer restriktiven Grundhaltung – wirtschaftlich vertretbare und bündnispolitisch abgestimmte Exportpolitik zu erreichen.