Viele Manager quittieren mit vierzig ihren Job

Von Hans-Otto Eglau

Die hochdotierte Position eines Geschäftsführers der Kölner Pharma-Firma Troponwerke (Eigentümer: Bayer) hatte er erreicht, als nach langem Zweifel für Wolfgang Schneider plötzlich feststand: "Ich stehe nicht mehr dahinter." Der nach Medizinstudium und Approbation Anfang der fünfziger Jahre direkt in die Industrie gegangene Manager kündigte kurzentschlossen, polierte in einer Klinik drei Jahre lang sein medizinisches Fachwissen auf und ließ sich 1977 in Remscheid als praktischer Arzt nieder.

"Der Traum eines jeden Werbers ist es, eine Kneipe aufzumachen", glaubt Hansjörg Klawitter die stillen Sehnsüchte seiner früheren Kollegen erkannt zu haben. Der 42jährige Betriebswirt und ehemalige geschäftsführende Gesellschafter der Münchener Werbeagentur Wirz erfüllte sich seinen Berufstraum sogar eine Nummer größer: Mit dem Erlös aus seinen Agenturanteilen kaufte er sich in eine kleine Steakhaus-Kette ein, in der er sich "nach 15 Jahren Geisteslust jetzt zehn Jahre der Fleischeslust hingeben" will.

"Wie aus heiterem Himmel" stellte sich Herbert Schulz, 46, Geschäftsführer der Mönchengladbacher Maschinenfabrik Scharmann, vor einigen Jahren die berufliche Alternative. Die Technische Hochschule Darmstadt, an der er einst Sein Examen abgelegt hatte, mußte ihren Lehrstuhl für Technologie und Werkzeugmaschinen neu besetzen. Der in der 750 Beschäftigte zählenden Spezialfirma für Konstruktion und Verkauf zuständige Manager bewarb sich und durfte kurz darauf den Chefschreibtisch mit dem Hörsaalkatheder vertauschen.

Schon Heinrich Schliemann...

Drei Manager, die von sich aus eine erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft beendeten – drei "Aussteiger"? Für den Schweizer Headhunter Egon Zehnder gibt es den vielzitierten "Aussteiger" überhaupt nicht. "Es gibt", so der international angesehene Personalberater, "nur Menschen, die etwas leisten wollen und solche, die es nicht wollen oder können." Einerlei ob Aussteiger oder Umsteiger: Die Zahl derjenigen, die um die Mitte ihres Lebens aus der sicheren Existenz einer hochrangigen Managementfunktion ausbrechen, um noch einmal etwas ganz Neues anzufangen, steigt ständig. "Wer früh etwas geworden ist, dem hängt die Sache nach zehn bis 15 Jahren zum Halse heraus", erläutert der ehemalige Reemtsma-Chef Manfred Emcke aus eigener Erfahrung die Situation vieler Führungskräfte. Der vermögende Industrieberater, der schon mit Anfang dreißig deutscher Statthalter der amerikanischen Maschinenbaufirma Clark geworden war, glaubt, daß ohne das verbreitete Sicherheits- und Statusdenken noch weitaus mehr Manager den Job quittieren würden: "Die meisten können nicht auf ihre Visitenkarte verzichten, sonst würden wir eine Flucht aus den Vorständen erleben."