Von Michael Schwelien

Hamburg

Nebel im Hamburger Rathaus. Während die äußeren Konturen des pompösen Senats- und Bürgerschaftsgebäudes im strahlenden Licht der ungewöhnlich schönen Herbsttage klar zu erkennen sind, verschwinden innen die politischen Akteure der Hansestadt im Dunst.

Letzte Woche noch wiesen die Abgeordneten von GAL und SPD einen Antrag der CDU, die Bürgerschaft aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben, gemeinsam zurück. Am Wochenende aber erreichten, die Tolerierungsgespräche zwischen den Grün-Alternativen und der SPD einen toten Punkt: Keine Seite war auch nur zu den geringsten Zugeständnissen bereit.

Noch vor vierzehn Tagen stimmte die GAL-Fraktion einer Kreditaufnahme des Senats über 664 Millionen Mark zu und half ihm damit über eine entscheidende parlamentarische Hürde. Am Montag dieser Woche erklärte Thea Bock für die Grün-Alternativen, die SPD könne von ihnen keine Zustimmung zum Haushalt 1983 mehr erwarten.

Ende letzter Woche gab sich Bürgermeister Klaus von Dohnanyi noch optimistisch, daß sich jene von Willy Brandt nach der Hessen-Wahl proklamierte neue Mehrheit ("links von der CDU") in Hamburg ausloten lassen würde. Anfang dieser Woche aber attestierte Henning Voscherau, Fraktionschef der SPD, den dazu benötigten GALiern gleich ein "Realitätsdefizit".

Das Hamburger Abendblatt machte am Montag mit der Schlagzeile auf: "SPD und GAL in der Sackgasse". Und Hartmut Perschau, CDU-Fraktionschef, stellte am gleichen Tage kategorisch fest: "In Hamburg wird nicht mehr regiert." Sind die Duldungsgespräche zwischen den grün-alternativen Parlamentsneulingen und den regierenden Sozialdemokraten jetzt tatsächlich gescheitert? Ist die Hansestadt wirklich "unregierbar", wie die CDU seit der Wahl vom 6. Juni 1982 immer wieder behauptet?