Für die großen Übernahmekämpfe gibt es oft nur einen Grund: Ehrgeiz von Managern

Noch fühlt sich Edward L. Hennessy jr. als der Sieger. Der Boß der Allied Corporation in Morristown/New Jersey hat sich im letzten Augenblick an dem Spiel "Fressen oder gefressen werden" beteiligt, auf das sich Bendix-Chef William Agee und Martin Marietta-Chef Thomas Pownall eingelassen hatten (Zeit Nr. 39). Durch sein Eingreifen nahm das Spiel einen überraschenden Ausgang: Allied frißt Bendix und Martin Marietta spuckt das gefressene Stück von Bendix wieder aus, damit er nicht selbst gefressen wird.

Auf diese Weise wird Hennessy zum Herrn und Gebieter eines Imperiums, dessen Jahresumsatz schlagartig von 6,4 auf elf Milliarden Dollar anschwillt und damit in die Größenklasse eines Konzerns wie beispielsweise United Technologies aufsteigt. Dessen Boß Harry Gray hatte es ja auch auf Bendix abgesehen. Gray ausgestochen zu haben, mit dem ihn eine leidenschaftliche Feindschaft verbindet, hat Hennessy sicherlich viel Genugtuung bereitet.

Ob die Übernahme von Bendix sich langfristig als ein Sieg von Hennessy erweisen wird, ist allerdings nicht so sicher. An der Wall Street ist man jedenfalls skeptisch, ob die dafür aufgewendeten 1,9 Milliarden Dollar gut angelegt sind. Mit seinem strategischen Konzept, über das Hennessy so gerne doziert, ist die Übernahme von Bendix jedenfalls nicht zu vereinbaren.

Das Konzept sieht vor, den Umsatzanteil bei Allied mit "reifen" Produkten von bisher siebzig auf vierzig Prozent zu reduzieren und den Anteil von "Wachstums"-Produkten von sechsundzwanzig auf vierzig und den von Produkten "im Embryo-Stadium" von einem auf fünfzehn Prozent zu erhöhen. Die restlichen fünf Prozent sollen "alternde, aber für Bargeld sorgende" Produkte ausmachen.

Bei aller semantischer Flexibilität wird man wohl unter den verschiedenen Aktivitäten von Bendix nur die Geschäfte mit Elektronik und Raumfahrt in der Spalte "Wachstum" einordnen können. Etwa die Hälfte seines Gesamtumsatzes aber erzielt Bendix mit Autozulieferteilen, für die Hennessy am besten eine neue Kategorie – "überreif" – einführen sollte.

Durch die Übernahme von Bendix vergrößert sich noch das Sammelsurium unterschiedlichster Firmen, die Hennessy und sein Vorgänger zusammengekauft haben. Mit Recht heißt der Konzern seit einem Jahr nicht mehr "Allied Chemical". Denn die Chemie ist heute nur noch eine von vielen Sparten. Bester Dukatenesel im Konzernstall ist die Union Texas Petroleum Corp.