Moskau und Peking verhandeln wieder miteinander. Doch das Mißtrauen sitzt tief: Nichts spricht dafür, daß die beiden kommunistischen Großmächte sich rasch versöhnen können.

Vorsichtig nehmen China und die Sowjetunion wieder Kontakt auf. Am Sonntag traf der stellvertretende sowjetische Außenminister Leonid Iljitschew zu Vorgesprächen in Peking ein. Vor zwei Jahren waren die Verhandlungen über eine Normalisierung der Beziehungen von der KP Chinas aus Protest gegen den Einmarsch in Afghanistan abgebrochen worden. Sie sah sich damals bestätigt: Seit zwei Jahrzehnten warnt Peking unaufhörlich vor dem russischen Hegemonismus.

Moskau wiederum war beunruhigt darüber, daß Amerika die Gelegenheit zu nutzen versuchte, die "chinesische Karte" zu spielen. Unter Präsident Carter zeichnete sich eine sino-amerikanische "Quasi-Allianz" ab – bis hin zu militärischer Zusammenarbeit. Nach dem Amtsantritt der Reagan-Administration kühlte das Verhältnis zwischen Peking und Washington jedoch rasch wieder ab. Amerikanische Waffenlieferungen an Taiwan drohten zum Bruch der diplomatischen Beziehungen zu führen.

Die Sowjetunion machte im vorigen Herbst Peking neue Offerten. Doch die chinesische Führung reagierte kühl. Sie zeigte sich lediglich bereit, wieder an den Sitzungen der gemeinsamen Kommission über Fragen der Grenzschiffahrt teilzunehmen.

Moskau ließ sich nicht beirren. Im März 1982 erklärte Staats- und Parteichef Leonid Breschnjew in Taschkent die Bereitschaft seines Landes, mit China über "Fragen möglicher Maßnahmen zur Stärkung des gegenseitigen Vertrauens im Gebiet der sowjetisch-chinesischen Grenze" zu sprechen. Mit Gespür für Chinas tiefe Verärgerung über Reagans Taiwan-Politik fügte er listig ninzu, die Sowjetunion habe niemals eine "Zwei-China-Theorie" vertreten.

Außenpolitische Experten führten in den beiden Hauptstädten – unter dem Vorwand privater Besuche – vertrauliche Gespräche; derWissenschaftler-Austausch lebte wieder auf; Sportler beider Länder trafen sich zu gemeinsamen Wettkämpfen. Erinnerungen wurden wach an die "Pingpong-Diplomatie", die Anfang der siebziger Jahre die chinesisch-amerikanische Annäherung einleitete.

Auf dem XII. Parteitag der chinesischen Kommunisten schlug Generalsekretär Hu Yaobang moderate Töne an. Zwar wiederholte er die chinesische Floskel, daß Taten wichtiger seien als Worte, fügte jedoch versöhnlich hinzu: "Wenn die sowjetische Regierung wirklich ihre Aufrichtigkeit für die Verbesserung der Beziehungen für China beweisen und durch praktische Maßnahmen ihre Bedrohung der Sicherheit Chinas aufheben würde, dann wäre eine Entwicklung der chinesischsowjetischen Beziehungen in Richtung auf eine Normalisierung möglich."