Alle reden von der "neuen Mehrheit links von der CDU", Klaus von Dohnanyi muß mit ihr leben. Monatelang hat Hamburgs Erster Bürgermeister versucht, aus dem Begriff eine Realität zu machen. Jetzt deutet vieles darauf hin, daß er gescheitert ist: Selbst die Tolerierung seiner Minderheitsregierung durch die Grün-Alternativen ist ohne die Rücknahme wichtiger Senatsbeschlüsse nicht zu haben.

Kein Wunder, daß es in Hamburg Spitz auf Knopf steht. Schon bisher war der Versuch, die GAL in die Regierungsverantwortung einzubinden, kein Honigschlecken. Jetzt sind die Tolerierungsgespräche erneut an einem toten Punkt angelangt.

Dohnanyi bittet dennoch den bunten Haufen um ein kleines, positives Zeichen, damit er die Verhandlungsgegner in der eigenen Partei besänftigen kann. Ihm reicht die Tolerierung, notfalls auch ohne Abkommen – Nadelstreifen umwirbt Latzhose. Aber die GAL verlangt einen hohen Preis: mindestens eine neue Bedarfsplanung bei der Erweiterung des Hamburger Hafens und mindestens den Ausstieg aus Brokdorf. Grüner Rat ist teuer. Kann Dohnanyi diesen Preis bezahlen? In der SPD wächst die Abneigung, ihm zu folgen. An Neuwahlen führt dann wohl kein Weg mehr vorbei. Freilich: Niemand weiß, ob sie das Patt auflösen werden. Und deswegen knabbert Dohnanyi am jungen grünen Baum: Er will mit den Grünen nicht nur verhandeln, sondern sie überflüssig machen, indem er ihre Themen besetzt. M. Schw.