Es hat sich etwas verändert auf der Bilderbuchszene: Die Phase der artifiziell gestrichelten Kunstgewerbeprodukte, die zwar manchen Erwachsenen Entzücken bereiteten, Kinder aber gewöhnlich ziemlich ungerührt ließen, scheint abgelöst worden zu sein von Bildermachern, die nicht nur ihr Handwerk verstehen, sondern sich auch sensibel auf das Begriffsvermögen von kleinen Kindern einlassen. Neue Bücher: ästhetisch schön, spannend, Phantasie entzündend, informativ, sorgfältig und haltbar ausgestattet, sogar preiswert.

Ich möchte auf drei Buchreihen aufmerksam machen, die beispielhaft für andere stehen und auf die, bei aller Eigenart und Unterschiedlichkeit, der oft mißbrauchte Begriff kindgerecht anzuwenden ist.

Der Verlag weist diese Neuerscheinungen als Bilderspielbücher aus –

Colin McNaughton: "Lang und kurz", "Dick und dünn", "Drüber und drunter", "Rein und raus", "Verstecken und suchen"; Verlag Sauerländer, Aarau, Frankfurt, Salzburg; je Band 14 S., je Band 6,80 DM.

In diesen fünf Büchern kobolzen knubbelige Knirpse über die Seiten, schlemmen winzige und meterlange Nudeln, klettern und kriechen, schlüpfen in verrückte Rollen, spielen Arbeiter und König und sind ganz und gar nicht niedlich. Kleine Bildergucker erfahren hier spielend ein Verständnis für Gegensätze; zusammen mit den Eltern können sie zu den vergnüglichen Bildern die passenden Wörter suchen.

Betrachten und begreifen: Abenteuer für Augen sind auch die fünf Bilderbücher in der Serie – Kenneth Lilly: "Tiere im Meer", "Tiere im Urwald", "Tiere im Zoo", "Tiere auf dem Land", "Tiere auf dem Bauernhof"; Verlag Franz Schneider, München; je Band 12 S., je Band 5,95 DM.

Von diesen Bildern geht große Ruhe aus. Im Gegensatz zu den hektischen Sequenzen, mit denen das Fernsehen kleine Kinder überschüttet und verwirrt, laden diese Bilder ein zum Verweilen, zum Geschichtenerzählen, zur Betrachtung in Muße. Die Buchseiten zeigen klar und einfach Tiermütter und deren Jungen in typischen Bewegungen, sie zeigen deren Schönheit, ohne von der Kälte des Photorealismus angekränkelt zu sein.