Bei der laufenden Lohnrunde dämpft die Metallarbeitergewerkschaft die Erwartungen

In Österreich wird derzeit viel Gutes über die deutschen Gewerkschaften und ihre bescheidenen Tarifanhebungen der vergangenen zwei Jahre gesagt – vor allem von den Arbeitgebern. Der Grund für die Lobeshymnen ist allerdings verständlich. In den nächsten Monaten werden für etwa vierzig Prozent aller österreichischen Arbeitnehmer die künftigen Lohn- und Gehaltserhöhungen ausgehandelt.

Die Position der Arbeitgeber ist klar; angesichts der trüben wirtschaftlichen Lage empfehlen sie den Beschäftigten Bescheidenheit, Reallohnverzicht und – einen Blick auf die niedrigen Lohnabschlüsse in der Bundesrepublik. Die Gewerkschaften hingegen wollen mindestens den Inflationsausgleich erreichen, und das würde bedeuten: 5,5 Prozent.

Der strengste Arbeitgeber – zumindest wenn es nach den Worten von Finanzminister Herbert Saldier geht – will diesmal der Staat sein: Vier Prozent Gehaltserhöhung für die Staatsdiener schienen ihm angemessen, ließ der oberste Finanzverwalter schon im Sommer wissen, obwohl die Verhandlungen erst im Laufe des Oktober beginnen. Die Antwort von Beamtengewerkschafter Rudolf Sommer, der etwa 500 000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst und 300 000 Pensionäre vertritt, war eindeutig: "Unsere Linie heißt: kein Reallohn verzieht."

Während solche Äußerungen aus dem Beamtenlager noch als spätsommerliches Vorgeplänkel gelten, wurde die Auseinandersetzung im Industriebereich schon konkreter. Dort ist mit der Lohnrunde für die etwa 220 000 Metallarbeiter der herbstliche Verhandlungsreigen eröffnet. Und die Arbeitgeber beeilten sich zu betonen: "Es ist absurd, auch nur einigermaßen in die Nähe des Vorjahres zu kommen."

1981 brachte die Lohnrunde den Metallarbeitern Anhebungen um 5,5 Prozent, in den Unternehmen selbst gab es dann – wie in den meisten Jahren – noch etwas drauf: Laut Statistik sind die Löhne in der Metallindustrie im Vorjahr insgesamt um 7,3 Prozent gestiegen.

Für die Industrie gelten in diesem Jahr die Lohnabschlüsse der deutschen Eisen- und Stahlindustrie, nämlich plus 4,2 Prozent – aus Konkurrenzgründen, wie es heißt –, als oberstes Maß. Industrielohnverhandler Wolfgang Burkhard: "Die Bundesrepublik hat das zweite Jahr unter der Inflationsrate abgeschlossen, da kann man in Osterreich nicht weiterhin volle Abgeltung der Inflationsrate predigen."