Hilbert Weinzierl

Von Anna von Münchhausen

Ein Naturschützer in der Etagenwohnung? Undenkbar. Wer zu Hubert Weinzierl will, dem Vorsitzenden des Bundes Naturschutz in Bayern, muß sich in den Bayerischen Wald begeben. Ob er das Auto eines mißbilligenden Blickes würdigen wird?

Vor dem gelbverputzten Forsthaus endet der Feldweg; Birken, Kiefern und Holunder sorgen für die grüne Komplementärfarbe. Die Szenerie wirkt wie eine Mischung aus Tomi Ungerers Buch deutscher Kinderlieder und der Einsiedelei des heiligen Franziskus. Drei Hunde toben herum, auf dem kleinen Tümpel paddelt eine Gänseschar, hinten auf der Koppel weiden Haflinger. Im Geflügelhof picken sanfte Perlhühner, schwarze Täuben und dicke Leghornhennen; in der alten Emailleschüssel finden zwei Puter Küchenabfall, und immerzu krähen die Hähne.

Weil es mittlerweile so viele sind, hat Franziskus alias Weinzierl sich abgewöhnt, seinen Tieren Namen zu geben. Ab und zu holt auch der Fuchs oder Habicht eins. Wie jedem, der ständig mit der Kreatur zusammenlebt, ist ihm der Kreislauf der Natur selbstverständlich.

Und völlig selbstverständlich wirkt er auch wie ein Teil seiner Umgebung – undramatisch, zurückhaltend; kein Operetten-Förster mit Janker und Jagdhorn, aber auch kein zäher grüner Guru mit Kittelhemd. Seine Landwirtschaft betreibt er allerdings biologisch-dynamisch. Das Gut Wiesenfelden hat er vor zwölf Jahren erworben, "vom Königshaus", erzählt er. Unnötig offenbar, den Namen der Fürstenfamilie hinzuzufügen; stutzen kann da nur ein Fremder. Schon als Kind hatte er hier oben jeden Ferientag verbracht, jetzt baut er auf 50 Hektar Gerste, Roggen und Kartoffeln an. Und weil das in 700 Meter Höhe ein mühsames Geschäft ist, wenn man auf Kunstdünger und teure Maschinen verzichten will, gibt es auch noch Fischteiche mit Karpfen, Schleien, Hechten, ein paar Rinder und Schafe und etwas Forst.

Grünes Glück im Winkel? Mitnichten. Hubert Weinzierl, gelernter Diplom-Forstwirt, ist mit seinen 46 Jahren ein Veteran in Sachen Umweltschutz und grüner Politik. Angefangen hat alles mit einer Kiesgrube, die er zu Beginn der sechziger Jahre zum Ersatz-Biotop für Tiere und Pflanzen der immer weiter zurückgedrängten Flußlandschaft umfunktionierte: neuer Lebensraum für Frösche, Kröten, Wildpflanzen und Vögel, "Heute ist das ein alter Hut", meint Weinzierl. "Eines meiner ersten Bücher hieß ‚Kiesgrube und Landschaft‘ und war ein erklärter Angriff auf die Industrie," Ein Schritt mit Konsequenzen auch im ganz persönlichen Umfeld. Seine Familie ist im Raum Ingolstadt in vier Generationen durch Geschäfte mit Kiesgruben und Steinbrüchen zu Wohlstand gekommen.