Doch in der CSU wächst das Unbehagen über Franz Josef Strauß

Von Nina Grunenberg

München, im Oktober

Am Abend des Freitags, an dem Tag, als in Bonn die Koalition wechselte, versammelten sich im Haus des Trachtenvereins zu Königsbrunn in Bayerisch-Schwaben sechs Vorstandsmitglieder der örtlichen FDP und 17 ihrer Anhänger, um sich Mut für die Landtagswahl am 10. Oktober zu machen. Als Redner war Josef Ertl versprochen gewesen, der alte und neue Landwirtschaftsminister in Bonn; er ist zugleich Landesvorsitzender der FDP in Bayern. Doch er sagte in letzter Minute ab – ein Pech, das die Freien Demokraten mit ihren Spitzenpolitikern in diesem Wahlkampf öfter erlebten.

An diesem Abend sprang Julian Gyger ein, der Geschäftsführer der FDP im Maximilianeum, dem bayerischen Landtag. Gygers Fleiß, sein Einfallsreichtum und seine Schlagfertigkeit haben der FDP in Bayern schon über manche programmatische Blöße hinweggeholfen. Doch in Königsbrunn fing selbst dieser unermüdliche Motor der Partei an zu stottern. Einer der 17 bedächtigen Schwaben hatte erzählt: "Heute saß ich in der Sauna und hörte, wie neben mir einer sagte: ‚Die FDP muß ihre Quittung bekommen.‘ Nun muß ich Sie fragen", wandte er sich an Gyger, "wie schätzen Sie denn unsere Chancen ein?"

Die Wißbegierde des Mannes war schon deshalb entwaffnend, weil die FDP in diesen Tagen nur noch selten höflich gefragt wird; viel öfter wird sie beschimpft. Nach kurzem Zögern entschied sich Gyger deshalb auch für eine ehrliche Umschreibung der Zukunftsaussichten seiner Partei in Bayern: "Wenn die FDP hier rausfliegt", sagte er, "wird der Landtag in München noch langweiliger werden, als er jetzt schon ist."

Nur Mitleid und das Andenken an die ehemalige bayerische Spitzenkandidatin Hildegard Hamm-Brücher, deren liberaler Heiligenschein seit dem Freitag voriger Woche auch in Bayern wieder leuchtet, kann der Partei am 10. Oktober noch über die Fünf-Prozent-Hürde helfen (1978: 6,2 Prozent). Aus eigener Kraft schafft sie es wohl kaum noch. Denn auch die bayerischen Liberalen sind ein Opfer von Genschers Zermürbungstaktik geworden. verschreckt, gelähmt, entsetzt blieben sie auf der Walstatt des Koalitionswechsels zurück, mit sich und der Partei zerfallen, mit schlechtem Gewissen und ohne Argumente gegenüber ihrer Klientel. Selbst jene, die für den Wechsel zu den Bürgerlichen optiert hatten, waren nicht mit der Weise einverstanden, auf die er ins Werk gesetzt wurde. Die letzten Zweifel wurden ihnen durch die Reaktion ihrer Anhänger genommen.