Daß die bezeichnendste neu-deutsche Redensart ein Anglizismus ist, ist vielleicht auch bezeichnend. Bezeichnender jedoch ist die Art, wie wir diese Redensart im Deutschen ausgeweitet und dabei umgedreht haben.

Engländer sagen "forget it", und sie sagen es in Situationen, wo einer sich zergrübelt, sich dauernd Sorgen macht, von einem Erlebnis nicht freikommen kann. Es ist ein Wort des Trostes für gequälte Seelen: Komm doch endlich einmal los davon, forget it.

Im Deutschen wurde daraus "das kannst du vergessen", und aus dem tröstenden Zuspruch wurde eine manchmal ziemlich hämische Wegwerf-Gebärde. Was die dir versprochen hat – das kannst du vergessen. Was gestern noch so wichtig war – das kannst du vergessen. Was Liberalität einmal bedeutete – das kannst du vergessen. Die F.D.P., SPD, CDU kannst du vergessen.

Wer einmal einen bestimmten Ton verinnerlicht hat, läuft Gefahr, ihn in jeder Komposition wiederzuhören. Er achtet der anderen Töne nicht und pickt sich nur immer diesen einen heraus. Ist es denn wirklich wahr, daß dieses deutsche "Das kannst du vergessen" untröstlich, hämisch, inhuman wäre, ganz anders als das englische "forget it"?

Wer der Sprache zuhört, erfährt vieles, Im Deutschen, so scheint mir, wurde die tröstende englische Redensart "forget it" ins Persönliche und damit dann vollends ins Unmenschliche verschoben. "Das kannst du vergessen" mag auch manchmal ganz freundlich oder wenigstens leichthin gemeint sein. Aber was hört jemand, der deutschen Unterhaltungen zuhört?

"Und wie geht es deinem Freund Richard?" – "Den kannst du vergessen,"

"Hörst du noch von deiner ehemaligen Freundin?" – "Die kannst du vergessen,"