Mit einer Werbeaktion wollen die westkanadischen Provinzen in den kommenden Wochen um europäische Reisende buhlen. Ihre Werbegemeinschaft "Canada West" ist allerdings mit internen Problemen belastet.

Bis zu 25 Prozent lassen kanadische Hoteliers und Gastronomen derzeit ihren Gästen aus den USA nach, wenn diese mit US-Dollars zahlen. Der kanadische Dollar, in vergangenen besseren Zeiten paritätisch mit dem benachbarten "Greenbuck", ist heute wesentlich schwächer bewertet als der US-Dollar. Dennoch bleiben die US-Amerikaner vermehrt im eigenen Land, was in der kanadischen Fremdenverkehrsbilanz für rote Zahlen sorgte.

Besucher aus Europa, die auch länger bleiben und mehr Geld ausgeben, sollen nun wenigstens zum Teil die entstandenen Lücken ausfüllen. Die westkanadischen Provinzen British Columbia und Alberta, die sich mit den subarktischen Gebieten des Yukon- und des Nordwestterritoriums zur Werbegemeinschaft "Canada West" zusammengeschlossen haben, unternehmen nun einen gemeinsamen Vorstoß in die Alte Welt. 360 000 Mark wollen sie während der nächsten Wochen bei einer Promotionstour durch die deutschsprachigen Länder, durch Skandinavien und durch die Niederlande ausgeben.

Diese Summe entspricht fast dem Jahresetat der Gemeinschaft, zu dem die beiden Provinzen jeweils 75 000 Dollar, der Yukon 15 000 und das Nordwestterritorium 25 000 Dollar beisteuern. Und um die Verwendung dieser Beiträge gibt es derzeit einen handfesten Streit im Canada-West-Consortium. Die Territorien, die von den Gaben der Staatskasse in Ottawa leben müssen, glauben, für ihren Kostenanteil nicht genug Gegenwert zu bekommen: Die Touristen bleiben vornehmlich in den Provinzen, die mit der Pazifikküste und den Nationalparks in den Rocky Mountains die größten Touristenattraktionen ihr eigen nennen. Vor allem im Yukon regen sich die Stimmen, daß es womöglich sinnvoller sei, mit dem benachbarten US-Bundesstaat Alaska gemeinsame Sache zu machen. Entschieden ist dieser Streit ums Geld noch nicht Um die Europa-Expedition der Westler gab es hingegen keine Auseinandersetzungen, zumal ein Teil der Kosten von der (im Westen beheimateten) Fluglinie "Canadian Pacific" getragen wird. Die Linie, die nicht ab Deutschland fliegt und hierzulande im Schatten der staatlichen "Air Canada" liegt, muß harte Konkurrenz erwarten, wenn die Lufthansa in Kürze ihre neue Verbindung nach Calgary und Vancouver aufnimmt.

In Alberta, wo es zu einem heftigen Ringen zwischen den Städten Calgary und Edmonton um die neue Linie gekommen war, sieht man dem Lufthansa-Engagement mit großen Erwartungen entgegen. Ob alle diese Blütenträume reifen, bleibt abzuwarten. British Airways hat gerade beschlossen, ihre Flüge nach Alberta einzustellen.

Klaus Viedebantt