In den Nachbarländern arbeiten die Zahnärzte billiger

Von Wolfgang Hoffmann

Die Explosion der Krankheitskosten zwingt zu Reformen. Allein für Zahnersatz werden pro Jahr mehr als zehn Milliarden Mark aufgewendet. Andere Länder machen es billiger – und der Zustand der Zähne ist nicht schlechter.

Kritiker der deutschen Sozialversicherung bespötteln die gesetzliche Krankenversicherung in der Bundesrepublik gelegentlich als Anlageberater besonderer Art: Nirgends auf der Welt ist Gold so billig wie in Deutschland. Man bekommt es bis zu 60 Prozent unter dem Weltmarktpreis – beim niedergelassenen Zahnarzt.

An dieser Polemik ist einiges wahr. Wer Gold als Ersatz für den kranken Naturzahn wählt, zahlt dafür nur etwa vierzig Prozent des Goldpreises, den ansonsten jede Bank in Rechnung stellt. Die verbleibende Differenz beim Goldkauf in der Zahnarztpraxis – 60 Prozent – zahlt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Wo Gold so billig ist, muß niemand sich über die Folgen wundern: 1981 hat die GKV 14 Milliarden Mark für die Zahnheilkunde ausgegeben. "Zähne gut – alles gut"?

Diese kühne Schlußfolgerung ist mit außerordentlicher Vorsicht zu genießen. Wenn die Zahnheilkosten nämlich weiter wie bisher explodieren und überdies auch noch jede offene Zahnlücke mit Gold geschlossen würde, dann drohte dem deutschen Gesundheitswesen in der Tat eines nicht so fernen Tages das, was viele ihrer Kritiker schon heute an die Wand malen: der totale Kollaps.

Das muß so nicht sein. Daß es – etwa in der Zahnheilkunde – auch anders geht, zudem billiger, wenngleich weniger komfortabel als in der Bundesrepublik, zeigt ein Vergleich der Usancen mit drei anderen europäischen Ländern: Schweiz, Großbritannien und Schweden. So berichtet zum Beispiel R. B. Allen, Generalsekretär der Britischen Zahnärztlichen Vereinigung und damit Repräsentant von immerhin 14 500 britischen Zahnärzten im nationalen Gesundheitsdienst, daß im staatlichen britischen Gesundheitssystem zwar alles verordnet wird, was medizinisch notwendig ist, das medizinisch Notwendige aber nicht daran gemessen wird, was an raffiniert gebautem Zahnluxus heute möglich ist. Großbritanniens Zahnheilkunst hat den Mut zur Lücke.