Im hessischen Orketal, mitten in den Wäldern der "Waldeckischen Schweiz", entsteht der erste "Robinson Club" Deutschlands. Burg Lichtenfels, der älteste Adelssitz Waldecks, wird Zentrum der neuen Ferienanlage.

Burgen und Schlösser, seien sie auch noch so gut erhalten, gehören zu den Verlegenheitsobjekten auf dem Immobilienmarkt: Zwar zieren sie nobel ihre Besitzer, doch die wissen meist nicht, wie sie der Erhaltungskosten Herr werden oder bleiben und ziehen es daher vor, ihre historischen Gemäuer wieder feilzubieten oder ungenutzt dem Zahn der Zeit zu überlassen.

Für die Burg Lichtenfels, den ältesten Adelssitz im hessischen Landkreis Waldeck, sind die Zeiten stolzer Nichtsnutzigkeit vorbei. Die nahezu 800 Jahre alte Wehr- und Wohnstätte wird, wenn alle Bauarbeiten reibungslos verlaufen, Weihnachten 1984 als Stammsitz des ersten "Robinson Clubs" in Deutschland ihre Tore öffnen.

Einst Trutzburg des Abtes Widukind von Corvey, später dann Domizil diverser Adelsgeschlechter, hat Lichtenfels auch als Herberge schon Tradition: Nach dem Zweiten Weltkrieg erholten sich dort die Angestellten der Bielefelder Anker-Werke. Dem Unternehmen gehörte seinerzeit das Gemäuer.

Doch das romantische 40-Zimmer-Ferienheim geriet samt hundert Hektar Grund unter den Hammer, als die Firma Anker Pleite machte. Von 1975 an stand es vier Jahre lang zum Verkauf. Gesucht wurde, so die Touristik-Zentrale Waldeck, ein Käufer mit altruistischer Gesinnung – er sollte nicht nur die Burg erhalten, sondern tunlichst auch einen Beitrag zur Entwicklung des abwanderungsbedrohten Umlandes leisten. Gefunden wurden zwei holländische Geschäftsleute, die Lichtenfels für fünf Millionen Mark kauften und es zu einem Hotel auszubauen beschlossen. Ihre "Burg Lichtenfels GmbH" identifizierte flugs die Robinson-Clubhotels als den "besten Betreiber" und schloß im Mai 1981 mit der Tochtergesellschaft der TUI und der Steigenberger Hotelgesellschaft einen zwanzigjährigen Kooperationsvertrag. Danach hat Robinson ein Ferien- und Betriebskonzept zu ersinnen und das Burghotel im Namen der holländischen Eigentümer zu bewirtschaften. Auch die Vermarktung des neuen Clubs obliegt dem Robinson-Management.

Für die Renovierungen und Neubauten sind die Eigentümer selbst zuständig. Maximal 55 Millionen Mark wollen sie dafür investieren, 22 Millionen Mark bringen sie an Eigenkapital auf, acht Millionen Mark schießen der Bund und das Land Hessen zu, der Rest wird durch. Fremdkapital finanziert.

Gewaltige Pläne stehen hinter dieser horrenden Summe. Die alte Burg bleibt in ihrer Substanz erhalten, Parkettböden, Täfelungen, Holz- und Schmiedearbeiten stammen aus der Zeit zwischen 1908 und 1914 und wären in solcher Pracht heute unerschwinglich. Das Hauptgebäude, der Palas, wird zum "Kommunikationszentrum" umfunktioniert, Nightclub im Keller, Kuschel-Kaminhalle im Erdgeschoß. In den Bergfried werden die Robinson-Kinder einziehen, insgesamt fünfzig Junioren soll der Abenteuer-Turm fassen. Für die Elterngeneration sind zwei Zubauten reserviert, die unterhalb der Burg, versteckt im Ulmenwald, entstehen sollen. Ein sechsstöckiger Trakt, halbkreisförmig in den Schloßberg gesetzt, wird außer für 80 Zimmer Platz für Küche, Fitness-Center, Schwimmbad, Sauna und Kegelbahn schaffen, das etwas tiefer gelegene "Dörfchen" birgt 120 Gästezimmer. Autos wollen die Architekten, unter der Erde parken lassen, unsichtbar von der Burg aus sollen auch die Sporthallen und -plätze sein.