Von Christine Brinck

Es ist wie beim Wettlauf zwischen Hasen und Igel: "Ick bin all dor", scheinen die Anthroposophen zu rufen.

Lange bevor Grüne und schicke Hausfrauen den Segen der biologisch-dynamischen Mohrrübe entdeckten, bewirtschafteten Anthroposophen ihre Felder natürlich, ohne Chemie. Als der Münchner Arzt Theodor Hellbrügge integrierte Klassen von Behinderten und Gesunden als den letzten Schrei der Behindertenpädagogik proklamierte, hatten die Anthroposophen auf dem Lehenhof derlei Integration längst verwirklicht.

Während der staatliche Hase auf der Suche nach Reformen immer wieder japsend verzweifelt – nirgends atemloser als in der Bildungsreform –, ist der anthroposophische Igel schon längst am Ziel. Nichts zeigt den Vorsprung dramatischer als der Boom der Waldorfschule. Worum sich Verwalter und Planer der staatlichen Misere streiten, hat sich am "Markt" bestens bewährt. Das zeigen zufriedene Lehrer, Kinder und Eltern, das zeigen auch die immer längeren Wartelisten.

Läßt sich dieses Erfolgsmodell auf andere Schulen übertragen? Die schlichte Kopie wird gewiß nur mechanischer Abklatsch bleiben, wenn dabei das Verständnis der Philosophie und Pädagogik von Rudolf Steiner fehlt.

Den Mangel an einer verstehend-kritischen Auseinandersetzung mit ihrer Theorie beklagen die Anthroposophen seit langem. Peter Schneider, Lehrer an der vielgerühmten anthroposophischen Hiberniaschule im Ruhrpott, hat mit dem gerade erschienenen Buch

Peter Schneider: "Einführung in die Waldorfpädagogik"; Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1982; 219 S., 19,– DM