Hamburg

Das Kind hatte Mittelohrentzündung, der Arzt verschrieb einen antibiotischen Saft. "Ist sie empfindlich mit Medizin?" fragte er.

"Warum?"

"Ist sie es nicht, verschreibe ich ein billigeres Mittel, das schmeckt zwar nicht besonders, aber die wohlschmeckenden Säfte sind sehr viel teurer." Wir entschieden uns gemeinsam – kostendämpfungsbewußt – für das billige Mittel. Ich wollte es notfalls selbst mit Honig veredeln. Mit dem Rezept ging ich zur Apotheke. Die erste hatte den Saft nicht, könnte ihn frühestens bis morgen besorgen. Ich dankte. Das Kind brauchte die Erleichterung noch am selben Tage,

Nun lebe ich in einem Stadtteil, der zu Recht als ein reicher gilt, Apotheken gibt es da mehr als Bäckereien. Doch in allen suchte ich den billigen Saft vergeblich. "Den verschreiben unsere Ärzte nicht", wurde ich zurechtgewiesen. Billig ist gut für Barmbek, aber nicht für Blankenese...Der vierte Apotheker war pikiert. In der fünften Apotheke gab es den billigen Saft zwar auch nicht, der Apotheker aber betrieb wenigstens Kundenpflege. Er bot mir einen anderen (teureren) Saft gleicher Zusammensetzung an: "Ich berechne Ihnen (das heißt: meiner Krankenkasse) natürlich nur den Preis des verschriebenen Mittels."

Etwas verwirrt von diesem bazar-ähnlichen Angebot nahm ich dankbar an. Unter Kostendämpfung hatte ich mir etwas anderes vorgestellt.

Christine Brinck