Wird die Spaltung der FDP nach dem Koalitionswechsel in Bonn unheilbar?

Von Rolf Zundel

Bonn/Schwäbisch Hall, im Oktober

Mit kalter Härte formuliert Hans-Dietrich Genscher die Lektion, die seine Partei aus dem zweiten Wahldebakel seit dem Koalitionsbruch lernen soll: "Die Minderheit muß lernen, Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren." Und Josef Ertl, dem alle Bonhomie abhanden gekommen war, bemerkte böse: Auch die Zerrissenheit in den eigenen Reihen sei eine Ursache für das Resultat; als Beispiel nannte er den Sonderparteitag der "Parteifreunde in Baden-Württemberg". Sie hatten dem Vorsitzenden Genscher die nur dürftig mit Höflichkeit wattierte Forderung präsentiert, er möge sein Amt an der Spitze der Partei räumen.

Ob es noch der baden-württembergischen Liberalen bedurft hatte, um ihren bayerischen Leidensgenossen den parlamentarischen Garaus zu machen, muß man bezweifeln. Gewiß aber bestätigen sie Graf Lambsdorff, der erstaunt festgestellt hatte, ihm sei nicht klar gewesen, "welche Brüche dieser Wechsel in der Partei hervorrufen würde". Dieser Landesverband, sonst als Muster innerer Befriedigung und als wohlwollende Begleitung der Bonner Führung gerühmt, reagierte auf die "Mehrheitsentscheidung" keineswegs mit jener "Elastizität", die sich Lambsdorff gewünscht hatte. Und das Bild Hans-Dietrich Genschers geriet vielen Rednern in Schwäbisch Hall so, wie es die neuen Umfragen ausweisen: Der Vorsitzende ist von einem der beliebtesten Politiker der Bundesrepublik zum anerkannten Sündenbock geworden, auch für viele Liberale.

Zukunftsaussichten: düster

Die Kritiker des Bonner Wechsels argumentierten, er sei nicht begründbar gewesen oder doch jedenfalls nicht einleuchtend begründet worden, ein "Verrat" oder doch mindestens ein "Umfall". In der Methode ein "Putsch von oben", jedenfalls aber ohne Mitwirkung der Partei zustande gekommen, ohne hinreichende Legitimation, weder durch Auseinandersetzung mit der SPD noch durch eine demokratische Entscheidung in der FDP abgesichert. "Der Name Helmut Schmidts wurde benutzt, um Wählerstimmen zu fangen", zürnte ein Delegierter, "mit deren Hilfe nun Helmut Schmidt gestürzt wurde." Nicht mangelnde Gemeinsamkeit in den Sachfragen sei der Grund für den Wechsel gewesen, sondern die Angst um Wählerstimmen.