Die Bayern haben ihre Schularbeiten gemacht, Franz Josef Strauß kann zufrieden sein. Die 58,3 Prozent der Stimmen für die CSU garantieren ihm den Ehrentitel "Großer Vorsitzender für weitere vier Jahre. Das hohe Niveau, auf dem sich die CSU stabilisierte, bekräftigt die bundespolitischen Ansprüche der Bayern ohne Wenn und Aber.

Daran hatte es in München durchaus versteckte Zweifel gegeben. Zwar müßte der weiß-blaue bäuerische Himmel erst einfallen, ehe sich die absolute Mehrheit der CSU auflösen könnte. Aber die Partei-Strategen hatten befürchtet, daß sie "die Rückschläge der Bonner Politik auf Bayern" nicht vollständig würden verhindern können. Hinter dieser Standardformel verbarg sich auch die Sorge, der Oppositionskurs von Strauß während des Regierungswechsels in Bonn könnte Unruhe in seine Gefolgschaft gebracht haben. Besonders im bayerischen Finanz- und Wirtschafts-Establishment waren seine Extra-Touren auf Unverständnis und grimmig verhaltene Kritik gestoßen. Während die CSU vor der Bonner Krise noch mit einem Wahlergebnis von weit über 60 Prozent gerechnet und keines unter dieser Marke als Erfolg hatte gelten lassen wollen, wurden ihre Propagandisten vorsichtiger, je näher der Wahltermin rückte. Der Ausruf von Finanzminister Max Streibl am Wahlabend, dies sei ja "ein unheimlich gutes Wahlergebnis", machte die Erleichterung darüber deutlich, daß sich die Einbußen in den engen Grenzen von 0,8 Prozentpunkten bewegten.

Wieder einmal hatten die Bayern ihrem Landesvater nicht vergolten, was er in Bonn angerichtet hatte: Auch diesmal ließen sie es damit gut sein, seine Wunden zu verbinden und ihn mit ihrer Zustimmung zu stärken. Der CSU-Löwe kann weiter mit gewohnter Kraft brüllen. Der einzige aus der Garde, den das Wahlergebnis nicht froh machte, ist Erich Kiesl, der Münchner Oberbürgermeister. Sein Parteichef Strauß wird der letzte sein, der ihm das unerwartete Comeback der Sozialdemokraten in der bayrischen Landeshauptstadt verzeiht. Dabei zeigt es doch nur, daß sich die Neigung der CSU zur Selbstherrlichkeit in der Großstadt weniger unkontrolliert ausleben läßt als auf dem Lande.

Von der neuen Regierung in Bonn wird das bayrische Wahlergebnis vorsichtig als "vielschichtig" umschrieben: So sehr die CSU ihr spezifisches Gewicht in der Koalition bekräftigt hat, so wenig konnte das der FDP gelingen. Mit den vereinten Kräften von Franz Josef Strauß und den bayrischen Sozialdemokraten, die sich ob ihres traurigen Mutes wie Helden in die Brust warfen, wurden die Liberalen regelrecht aus dem Bayerischen Landtag hinausgeprügelt. Das ist auch deshalb schade, weil die zehn Mitglieder der FDP-Fraktion auf den Oppositionsbänken im Maximilianeum ein politisches Format zeigten, dem die SPD, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nichts als Dürftigkeit entgegenzusetzen hatte. Die Sozialdemokraten werden jetzt zeigen müssen, ob sie die drohende Verödung des Bayerischen Parlaments verhindern könnten. Dabei hilft ihnen nun niemand mehr auf die Sprünge, auch die Grünen nicht, deren Vormarsch in Bayern zum ersten Male gebremst wurde. Da schon von einer Trendwende zu sprechen, scheint allerdings verfrüht; für Franz Josef Strauß’ konservative Stammwähler ist Petra Kelly nur einfach keine Wahl gewesen.

Nina Gronenberg