ZEIT: Herr Herion, Sie haben die Lage der Bauwirtschaft oft in den dunkelsten Farben geschildert. Ändern die geplanten Bonner Förderungsmaßnahmen und die Zinsentwicklung etwas an dem Bild? Sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?

Herion: Die von der neuen Bundesregierung vorgesehenen Maßnahmen zielen in die richtige Richtung. Wer die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wieder in Schwung bringen will, muß zunächst die Beschäftigungskrise auf dem Baumarkt überwinden. Solange der Bau nicht läuft, läuft nichts, lautet eine alte Erfahrung.

Eine wirkliche Belebung des Baugeschehens wird erst dann erreicht werden, wenn die öffentliche Investitionstätigkeit durch eine Umstrukturierung der Haushalte aller Gebietskörperschaften nachhaltig verstärkt wird. Wegen der hohen Ausstrahlung der Bauwirtschaft auf vor- und nachgelagerte Wirtschaftsbereiche ist eine Sicherstellung ausreichender Bauinvestitionen notwendig. Im Bundeshaushalt 1983 müssen daher die bauinvestiven Mittel gegenüber dem bisherigen Regierungsvorschlag spürbar erhöht werden.

ZEIT: Werden das Förderungsprogramm für den Mietwohnungsbau und die vermieterfreundlichen Lockerungen des Mietrechts ausreichen, um den Bau von Mietwohnungen wieder reizvoll zu machen?

Herion: Ob diese Änderungen im Bereich des Mietrechts ausreichen, die klassischen Kapitalanleger – insbesondere die Versicherungsgesellschaften – wieder an den Wohnungsbau heranzuführen, bleibt abzuwarten. Hier spielt auch die kurzfristige Entwicklung der Zinsen und der Grundstückspreise eine Rolle.

ZEIT: Was ist für den gewerblichen Bau zu erwarten, was für den öffentlichen?

Herion: Für den gewerblichen Bau kömmt es entscheidend darauf an, ob die Investitionsbereitschaft in der Industrie, aber auch im Handel und in den anderen Dienstleistungsbereichen, wieder gestärkt wird. Der gewerbliche Bau kommt aber erst dann wieder in Fahrt, wenn nicht nur investiert und rationalisiert wird, sondern wenn Kapazitätserweiterungen vorgenommen werden. Dies kann nur dann geschehen, wenn die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit auf Grund nachhaltig verbesserter Rahmenbedingungen gestärkt wird.