Ein Dorf in Franken trotzt der schwarzen Übermacht

Schönberg

Wir befinden uns im Jahre 1982 n. Chr. Ganz Bayern wird von Franz Josef Strauß beherrscht. Ganz Bayern? Nein! Ein von unbeugsamen Franken bevölkertes Dorf hört nicht auf, der schwarzen Übermacht Widerstand zu leisten. Zwanzig Kilometer östlich von Nürnberg wählt ein wackeres 1000-Einwohner-Nest namens Schönberg seit Jahrzehnten unverdrossen SPD.

Erzielt die CSU in den umliegenden Ortschaften stets Ergebnisse von 55 Prozent an aufwärts, wie in Bayern üblich und von FJS befohlen, so ist es in Schönberg genau umgekehrt. Und keiner weiß genau, warum.

Am hohen Arbeiteranteil kann es nicht liegen. Das drei Kilometer entfernte Industriestädtchen Lauf hat viel mehr Werktätige und wählt dennoch mehrheitlich CSU, und selbst der nahe gelegenen SPD-Hochburg Nürnberg gelingt es nicht, mit solchen Ergebnissen zu glänzen. In Schnaittach, dort, wo das katholische Oberland rechts der Pegnitz beginnt, heißt es, Schönberg sei eben ein lutherisches Kaff. Aber auch das ist keine Erklärung. Die anderen Dörfer links der Pegnitz sind ebenfalls lutherische Käffer und wählen trotzdem schwarz wie die Katholiken vom rechten Ufer.

Die Schönberger stechen auch nicht durch besonders revolutionäre Tugenden hervor. Bärtige sind nicht sehr beliebt, Ausländer bestenfalls gelitten, und sonntags kochen die Frauen zu Hause die Knödel, während die Männerwelt im Roten Roß, im Bayerischen Löwen und in der Grünen Au ihre politischen Debatten austrägt.

Die Allgegenwart der Roten im Dorf ist eines der Geheimnisse ihres Erfolgs. Schönberger Sozis sind nicht nur in allen drei Wirtshäusern vertreten, sie singen auch im Gesangverein, sie kicken im FSV, sie blasen im Posaunenchor, sie löschen in der Feuerwehr, sie hocken bei den Taubengockerern, sie wandern mit den Wanderern, und sie beten jeden Sonntag mit den übrigen Gläubigen in der Kirche.