Von Anton Hunger

Die Banken hatten kein Erbarmen, Zwar wollten sie zuerst den Familienkonzern Bauknecht durch Forderungverzicht und neue Kredite sanieren. Bedingung: Die gescheiterten Unternehmerbrüder Gert und Günter Bauknecht sollten als Manager abtreten. Am Ende aber genügte selbst das den Gläubigern nicht. Bauknecht mußte im vergangenen Mai Vergleich anmelden. Für die Familienmanager schien das nur eine andere Form des Abschieds zu sein.

Doch plötzlich wollen die beiden Brüder jetzt wiederkommen. Überzeugt davon, daß sie an dem Debakel ihres Konzerns unschuldig sind, bereiten sie sich auf eine neue unternehmerische Aufgabe vor. Die Bauknecht-Brüder wollen eine der vier Firmen mehrheitlich übernehmen, in die der Vergleichsverwalter Volker Grub den fallierten Konzern zerlegt hat. Der entmachteten Manager Interesse gilt der neuen Thermotechnik-Gesellschaft, die am 1. November gegründet wird und die als zukunftsträchtigster Teil des Bauknecht-Erbes gilt.

Neben der Thermotechnik sollen die Geschäfte des Elektrokonzerns in drei weiteren Sparten fortgeführt werden: Die Hausgeräte-Produktion wird mit dem neuen, starken Partner Philips wiederaufgenommen. Wiederbelebt werden sollen in eigenen Gesellschaften auch die Sparten Motoren- und Antriebstechniken sowie der Küchenvertrieb.

Mit der Thermotechnik wenden die Bauknecht-Brüder sich jenem Firmenteil zu, in den sie auch in den letzten Jahren schon die meisten Mittel gepumpt haben, weil hier die höchsten Zuwachsraten zu erwarten sind und weil diese Produkte zweifellos Zukunft haben. An Geld für das neue Engagement jedenfalls scheint es ihnen überraschenderweise nicht zu fehlen. Gert und Günter Bauknecht haben noch Kapital, das, wie Vergleichsverwalter Volker Grub sagt, "nicht greifbar" ist. Es ist das Vermögen der Gert-Bauknecht-Stiftung, der Günter-Bauknecht-Stiftung und der Gottlob-Bauknecht-Stiftung.

Diese Stiftungen wurden 1973 mit Zustimmung des dafür zuständigen baden-württembergischen Kultusministeriums gegründet, um einerseits eine "Kontinuität in der Erbfolge" (Grub) zu sichern, aber auch, um Erbschaftssteuer zu sparen. Begünstigte dieser Stiftungen sind die Kinder von Gert und Günter Bauknecht. Keinesfalls, so Grub, habe die Vermögensübertragung seinerzeit stattgefunden, um dieses Kapital der Haftung zu entziehen. Damals sicher nicht, denn 1973 hatte der Bauknecht-Konzern noch keinerlei Bankschulden. Im nachhinein erweist sich diese Konstruktion allerdings als ausgesprochen günstig für die beiden Bauknecht-Brüder, da Stiftungsvermögen "konkursfest" ist und insofern der Haftung im Vergleichsfall nun tatsächlich entzogen wird. Dieses Stiftungsvermögen soll Grundlage für einen neuen Anfang sein.

Die Freude über die neue Chance für die Bauknechts wird indes nicht allerseits geteilt. Der Stuttgarter IG Metall-Bezirksleiter Franz Steinkühler zum Beispiel hält die Feststellung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth, Bauknecht sei nun gerettet, für "bittere Ironie". Damit könnten wohl nur die "Millionen der Brüder Bauknecht gemeint sein", so der streitbare Gewerkschafter, "die diese rechtzeitig beiseite geschafft hatten". Nicht der Wegfall von zweitausend der insgesamt 6500 Inlandsarbeitsplätze (1980 waren es rund achttausend) werde zum Gradmesser von Erfolg und Mißerfolg, sondern das "Schicksal zweier Unternehmer". Steinkühler bezeichnet die Sanierung des Bauknecht-Konzerns nach erfolgtem Muster als "Lehrstück für inhumane Geschäfte". Denn, sagt der Metaller, als die Bauknechts Gewinne machten, sahen sie die Gewerkschaften an "wie der Teufel das Weihwasser". Erst als sie das Unternehmen "an die Wand gefahren hatten", wären die Organisationen der Arbeitnehmer gefragt gewesen.