Von Michael Schwelien

Dem Hamburger Bürgermeister ist ein Dreisprung gelungen: Mit dem ersten Satz hat Klaus von Dohnanyi die Gespräche mit der Grün-Alternativen Liste (GAL) geschickt beendet; mit dem zweiten der CDU einen für ihn günstigen Wahltermin zudiktiert (fünf Tage vor Heiligabend); und mit dem dritten die SPD geschlossen hinter sich gebracht. Zum Auftakt des zweiten Hamburger Wahlkampfes in diesem Jahr brachten die Sozialdemokraten dem Ersten Bürgermeister stehend Ovationen.

Im Juni war die CDU mit 4000 Wählerstimmen Vorsprung stärkste Fraktion in der Bürgerschaft geworden; sie errang 56 Mandate (SPD: 55). Die GAL erreichte mit 7,7 Prozent der Stimmen und neun Sitzen die Position des Züngleins an der Waage. Die FDP blieb mit 4,9 Prozent wiederum draußen.

Dohnanyis Kalkül ist klar. Nach dem Machtwechsel in Bonn werden der "Schmidt-Bonus" und die neue kämpferische Haltung der SPD in der Bonner Opposition genug Schub geben, um die CDU im Dezember zu überholen. Viel schwieriger, meint Dohnanyi, wird es sein, die GALier wieder aus der Bürgerschaft hinauszudrücken. Überspringen sie wieder die Sperrhürde und verfehlt die SPD die absolute Mehrheit, dann muß er weiter mit ihrer Duldung regieren.

Dohnanyi hat mit seiner Entscheidung den Druck auf die GALier und indirekt auf das gesamte grün-alternative Lager in der Bundesrepublik verstärkt. Als er Mitte letzter Woche seine Dokumentation ("Die Gespräche zwischen SPD und GAL aus meiner Sicht") vorlegte, war, die Versuchung für etliche GALier groß, des Bürgermeisters Gesprächsbereitschaft zu honorieren und seinem Haushalt zuzustimmen. Immerhin liest sich Dohnanyis Zusammenfassung, die am Sonntag 100 000 Hamburgern auch als Vorwahlkampf-Zeitung in die Briefkästen geworfen wurde, wie ein ökologisches Programm mit arbeitnehmerfreundlichen Impulsen. "Die Selbstreiriigungsfähigkeit der Elbe ist wiederherzustellen", heißt es dort. Oder: "Die SPD wird den Ausstieg aus Brokdorf möglich machen." "Kein Sparen von Personalkosten im Jahre 1983 durch zusätzliche Stellenstreichungen", versprach Dohnanyi ebenso wie: "Kein Sparprogramm bei der Sozialhilfe." Was Wunder also, daß manch einer meinte, hier seien "wenigstens Ansätze für eine Kooperation" zu finden.

Grüne außerhalb Hamburgs drängten noch mehr zur Kompromißbereitschaft. Während die GALier über Dohnanyis Dokument diskutierten, flatterte ihnen ein Brief von Wolf-Dieter Hasenclever, dem Sprecher der baden-württembergischen Grünen, ins Haus. Hasenclevers Kreisverband in Tübingen forderte eine "aktive Tolerierung" der SPD in der kommenden Bundestagswahl. "Bei einer Bewährung der Zusammenarbeit", schrieben die Südwestdeutschen Grünen sogar, "kann nach einiger Zeit eine regelrechte Koalition angestrebt werden."