Margaret Thatcher schlägt immer noch Gewinn aus dem Falkland-Krieg. Damit versucht sie, von der desolaten Wirtschaftslage abzulenken.

Es lag auf der Hand, daß aus dem Jahrestreffen der britischen Konservativen ein Falkland-Parteitag werden würde. Die Tories wollten die Siegerin Margaret Thatcher feiern, da es sonst nicht viel zu bejubeln gibt. Nach dreieinhalb Jahren rigoroser Sparpolitik kann das Kabinett Thatcher nur argumentieren, wieviel schlimmer es erst um die Staatsfinanzen stünde, wäre nicht so viel gespart worden.

Aber selbst das Sparen ist eine Legende. 41 Prozent des Bruttosozialprodukts betrugen die Staatsausgaben, als Frau Thatcher an die Regierung kam. Wo stehen sie heute? Nicht etwa bei 35 Prozent, nein, bei 45. Kein Wunder, daß der "think-tank" der Regierung empfohlen hat, den Wohlfahrtsstaat radikal abzubauen. Der Vorschlag kam durch Indiskretion in die Presse; am Vorabend des Parteitags mußte er dementiert werden. Finanzminister Howe ließ noch während des Parteitags erklären, er habe dem Kabinett nicht gedroht, andernfalls die Einkommensteuer um 50 Prozent und die Mehrwertsteuer auf 25 Prozent zu erhöhen.

Das waren unvorhergesehene Pannen. Um so mehr hielt man sich ans Verläßliche, den Falkland-Effekt, der die Tories noch immer begünstigt: 42 Prozent der Briten, So Umfragen, würden Margaret Thatcher morgen wiederwählen; 30 Prozent sähen lieber die Labour Party im Amt; 27 Prozent halten der Allianz aus Liberalen und Sozialdemokraten (SDP) die Stange. Unter dem britischen Mehrheitswahlrecht brächte eine solche Stimmenverteilung den Konservativen die absolute Mehrheit im Unterhaus.

Frau Thatcher nutzte in Brighton den Falkland-Effekt dazu, dem Land einzureden, es wolle doch sicher in der Krise so tapfer sein wie seine Truppen im Kriege. Ihre Minister sind sich sicher, daß die Briten gar keine Verbesserung ihrer derzeitgen Lage wünschen, sondern nichts lieber als die Fortsetzung der drastischen Sparpolitik sehen. Das kam zumindest in Brighton gut an, besser als ein Haufen Versprechungen im Anlauf zum Wahljahr. "Wir werden dem Volk die Wahrheit sagen", rief die "Eiserne Lady" unter großem Beifall aus.

Ist es wahr, daß die Regierungschefin die Bekanntgabe von fast 900 Falkland-Orden deshalb erst am vorigen Montag wünschte, um dem Parteitag der SDP die Schau zu stehlen? Ihre geradezu kochende Wut über die frühzeitige Preisgabe der geeinten Helden in Presse, Funk und Fernsehen legt den Verdacht nahe. Denn bei Medaillenverleihungen vier Monate nach Kriegsschluß geht es schließlich nicht um nukleare Geheimnisse. Vermutlich hatte sie aus diesem Grund auch die Falkland-Parade auf den vorigen Dienstag gelegt, um die Konkurrenz weiter abzudrängen.

Vom Falkland-Effekt will sie so lange wie möglich profitieren: Bis ins Frühjahr 1983 wird sich die Verleihung der Falkland-Orden hinziehen – nicht einmal, was die Kaugummiverarbeitung des Nationalstolzes angeht, darf der britische Wähler sicher sein, die Wahrheit zu erfahren.

Karl-Heinz locker (London)