Während sich die konjunkturelle Lage in der Bundesrepublik von Woche zu Woche verschlechtert, steuern die Aktienkurse einen neuen Jahreshöchststand an. Sie folgen damit der Wall Street-Entwicklung. Allerdings nur gebremst. Zwar sinken auch bei uns die Zinsen. Die rechte Freude daran will sich aber wegen der innenpolitischen Unsicherheiten nicht einstellen. Solange das Ergebnis der für März 1983 geplanten Bundestagswahlen so offen ist wie zur Zeit, wird jede Aufwärtsbewegung am deutschen Aktienmarkt von Angst begleitet sein müssen. Der Berufshandel, dem ein großer Teil der beachtlichen Aktienumsätze zugeschrieben wird, operiert deshalb vorsichtig und stellt relativ frühzeitig Kursgewinne sicher.

Schwerpunkte des Aktienhandels lagen in den vergangenen Tagen bei den Papieren der Banken und der Versorgungswirtschaft. Die Kreditinstitute profitieren von der Zinssenkung, weil die Kreditbereitschaft wieder zunimmt, zum anderen aber über die steigenden Rentenkurse, die in den Portefeuilles erhebliche stille Reserven entstehen lassen. Für die Banken würde 1982 zu einem "Bombenjahr" werden, wenn es die erheblichen. Risiken im in- und ausländischen Kreditgeschäft nicht gäbe. Dafür muß zu Lasten der Ertragsrechnung Vorsorge getragen werden.

Das gestiegene Interesse für Versorgungsaktien hängt ebenfalls mit den sinkenden Zinsen zusammen. Die Zinslast der mit hohen Fremdmitteln arbeitenden Unternehmen wird nunmehr geringer. K.W.

Börsen-Barometer mit der Tabelle "Deutsche Investment-Fonds" auf Seite 38