Eindringlich "Ein Sack voller Flöhe" von Dino Risi, dessen deutscher Verleihtitel auf den "Käfig voller Narren" spekuliert, heißt im Original "Primo amore" und erzählt, gleichermaßen grausam und zärtlich, von der ersten und letzten Liebe eines abgetakelten Schmierenkomödianten, genannt "Picchio" (Ugo Tognazzi), der in einem Heim für pensionierte Künstler sein Herz an ein hübsches Dienstmädchen (Ornella Muti) verliert, das er mit seinem endlich ausgezahlten Rentengeld in Rom zum Star einer Bühnenshow machen will. Der schöne Traum vom neuen Erfolg und zweiten Frühling läßt ihn zum lächerlichen Pygmalion und grötesken Professor Unrat werden, der seine Galatea an eine private Fernsehgesellschaft verliert, wo sie Karriere macht als Gute-Nacht-Girl einer Soft-Porno-Show. Wie Richter des Varieté" (1950), der erste Spielfilm von Federico Fellini, ist "Primo amore" (1978) eine makabermelancholische Chronik von den Illusionen und Lebenslügen alternder Komödianten und vom (diesmal endgültigen) Ende einer Welt – der des Varietétheaters. Beeindruckend (trotz mancher melodramatischer Momente) dank der Bravour, mit der Dino Risi und Ugo Tognazzi den Balanceakt zwischen Komik und Tragik meistern. Helmut W. Banz

Annehmbar

"Kopfstand" von Ernst Josef Lauscher ist ein trauriger, ein deprimierender Film. Man kennt die Bilder: die klinisch sauberen Gänge einer psychiatrischen Anstalt, die verlorenen Blicke der Bewohner; kennt die Situationen: die sinnlosen Gespräche zwischen Arzt und Patient, die mechanische Verabreichung von Psychopharmaka, die Elektroschockbehandlungen. Das alles gibt es noch in vielen psychiatrischen Anstalten. Das alles zeigt der österreichische Filmemacher Ernst Josef Lauscher so realistisch, in grauen, düsteren Bildern, daß man’s kaum erträgt. Im-Mittelpunkt seines Films,der ursprünglich als Dokumentarfilm konzipiert war, steht der Friseurlehrling Markus. Sein ganz und gar harmloses Aufbegehren wird von der Mutter mißdeutet, und sie schiebt ihn ab in eine Anstalt. Er würde dort, nach einem vergeblichen Ausbruch in die Freiheit, vermutlich sein Leben lang das trostloseintönige Anstaltsleben führen, wäre da nicht die jüngere Ärztin, die sich für seine Entlassung einsetzt. Hiermit könnte der Film durchaus enden, zumal die Entlassung ein bißchen Hoffnung andeutet. Aber der Regisseur wollte offenbar mehr: zeigen, nie Mitmenschlichkeit funktioniert zwischen Menschen, die als Außenseiter der Gesellschaft gelten. Das freilich wäre eine andere Geschichte gewesen. Anne Frederiksen

Läppisch

"The Wall" von Alan Parker, basierend auf dem gleichnamigen und maßlos überschätzten Album der Pink Floyd, ist die wohl grobschlächtigste "rock fantasy", die je inszeniert wurde: der Versuch einer filmischen "Umsetzung", die vor Überdeutlichkeiten, falschen Gleichungen und schlechtem Geschmack der erzählenden/darstellenden Mittel nur so strotzt. Da waren vergleichsweise sogar die Musikfilme von Ken Russell Meisterwerke an subtiler Ironie. Wenn in der zentralen Sequenz von "The Wall" Schulkinder im Gleichschritt In einen überdimensionalen Fleischwolf marschieren und als Hackfleisch wieder hervorquellen, begreift auch der Dümmste die Botschaft solch feinsinniger Symbolik des Schreckens. Und schrecklich ist in diesem Film alles: der Krieg und die Kindheit, die Schule und die Polizei, das schwanzlutschende Groupie und der sich selbst entfremdete Popstar "Pink", der nach dem mißlungenen Selbstmord die Metamorphose zu einem Über-Faschisten (eine Mischung aus Schwarzhemd und SS-Offizier) durchmacht und fortan seine Konzerte wie Reichsparteitage inszeniert. Parker malträtiert den Betrachter mit einer nie schlüssigen Mischung aus Fiktion, Dokumentar- und Zeichentricksequenzen, die er aus 105 000 Metern abgedrehtem Filmmaterial montiert haben soll. Vom "Libretto" des Pink-Floyd-Bassisten und -Texters Roger Waters bleibt vor allem die plakative Botschaft übrig: Rockmusik und die mit ihr verbundene Idolatrie als Indiz für die Dämmerung eines neuen faschistischen Zeitalters. In einigen Passagen bemerkenswert ist da allenfalls die Zeichentrick-Animation von Gerald Scarfe. Franz Schüler

Empfehlenswerte Filme

"Domino" von Thomas Brasch. "Einer mit Herz" von Françis Coppola. "Querelle" von Rainer Werner Fassbinder. "Yojimbo – Der Leibwächter" von Akira Kurosawa. "Mad Max II" von George Miller. "Der Feind" von Zeki Ökten und Yilmaz Güney. "Tote tragen keine Karos" von Carl Reiner. "Der Westen leuchtet!" von Niklaus Schilling. "Reisender Krieger" von Christian Schocher. "Gallipoli" von Peter Weir.