Die rezessive Wirtschaftsentwicklung und die lange Hochzinsphase haben das Angebot an Eigenheimen und Eigentumswohnungen anschwellen lassen. Überzogene Preisvorstellungen können nicht durchgesetzt werden.

Die neue Bundesregierung will gezielt den Eigenheim- und Mietwohnungsbau fördern. Beim Einfamilienhaus-Neubau soll ein begrenzter Schuldzinsabzug eingeführt werden. Da exakte Einzelheiten bislang nicht bekannt sind, herrscht bei den Bauherren zunächst einmal eine große Unsicherheit. Denn wer beginnt jetzt mit dem Bau seines Hauses, wenn er womöglich damit steuerliche Vergünstigungen aufs Spiel setzt?

Vernünftig wäre es gewesen, schon heute zu erklären, daß der Schuldzinsabzug rückwirkend vom 1. Oktober 1982 möglich ist. So besteht die Gefahr, daß Bauvorhaben zurückgestellt und – je nach Witterung – erst im kommenden Frühjahr begonnen werden.

Gegen die Pläne der Bundesregierung hat sich nachdrücklich der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ausgesprochen. Die Räte sehen in dem Schuldzinsabzug für Eigenheimbauten einen Verstoß gegen die Steuersystematik und das Steuerrecht. Außerdem würde die Neuerung einen erheblichen Verwaltungsaufwand verursachen.

Ob die Bundesregierung durch diesen Einwand in ihrer Meinungsbildung beeinflußt werden wird, läßt sich heute nicht beurteilen. Falls sie es indessen ernst meint mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, werden "Verstöße gegen die Steuergerechtigkeit" kaum vermeidbar sein.

Wenn der Eigenheimbau in diesem Jahr um etwa 14 Prozent auf 190 000 Einheiten rückläufig sein wird, ist dies einerseits auf die hohen Finanzierungskosten zurückzuführen, aber auch auf das zunehmende Angebot an bereits bewohnten Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen.

Dies hat auch dazu beigetragen, daß die Baupreise nach Feststellungen der Commerzbank seit Jahresmitte nicht mehr steigen, und daß die Bauherren mit raschem Baubeginn und kurzer Fertigungszeit rechnen können.