Von Roland Kirbach

Vielseitig und anregend" sei das Programm gewesen, "lohnenswert und liturgisch ergiebig" die musikalischen Werke. Und daß alles so reibungslos klappte beim Organistenkurs, sei, last not least, auch das Verdienst von "Sekretärin Marianne Kreutmeyr vom Amt für Kirchenmusik", die "unermüdlich Kopien herstellte" für die Teilnehmer.

Der Artikel, erschienen in der Augsburger Bistums-Chronik, findet sich wieder in einer "Dokumentation zum Raubkopieren", die der Deutsche Musikverleger-Verband zusammengetragen hat. Sie soll belegen, daß die "unerlaubte Reprographie" durch die "technologische Entwicklung auf dem Gebiet der photomechanischen Vervielfältigungsgeräte" enorme Ausmaße angenommen habe und daß – wie der Beitrag im Bistums-Blatt zeige – bei den "Tätern" keinerlei Unrechtsbewußtsein herrsche.

Besonders bei Chören und Gesangvereinen sei es gang und gäbe, daß von einem Werk nur ein Exemplar erworben und dann für jedes Mitglied photokopiert wird. Hans-Henning Wittgen, Geschäftsführer des Musikverleger-Verbands in Bonn, schätzt die Zahl der jährlichen Raubkopien auf etwa fünf Milliarden. Schon seit Jahren fordern die Musikverleger deshalb eine Verschärfung des Kopierrechts. Offensichtlich haben sie beim Bundesjustizministerium nun Gehör gefunden. Dort liegt ein Entwurf zur Änderung des Urhebergesetzes, wonach die "Vervielfältigung graphischer Aufzeichnungen von Werken der Musik" auch zum persönlichen Gebrauch untersagt ist.

Betroffen sind von der Gesetzesverschärfung jedoch nicht nur Chöre und Gesangvereine. Besonders hart trifft das totale Kopierverbot die rund 10 000 Jugend- und Laienorchester in der Bundesrepublik. Rainer Cadenbach, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Jugendorchester in der Musikalischen Jugend Deutschlands, befürchtet "katastrophale Folgen für das kulturelle Niveau der bundesdeutschen Jugendmusik", sollte das Gesetz in Kraft treten. Daß die Jugendorchester besonders betroffen wären, liegt an einer Eigentümlichkeit der bisherigen Politik der Musikverlage.

Anders als Chöre, die ihr Notenmaterial in jeder Musikalienhandlung kaufen können, müssen Orchester die Noten für Musikstücke, die sie aufführen möchten, bei den Verlagen leihen. Etwa vier Fünftel des gesamten Orchesterrepertoires, rund 40 000 Titel, sind nur noch leihweise erhältlich. Cadenbach: "Lediglich die Ladenhüter gibt’s noch zu kaufen. Stücke, die sich auf dem Markt halten, werden in Leihmaterial umgewandelt."

Die Musikverleger begründen diese Praktik mit den "horrenden Herstellungskosten". Verbandsgeschäftsführer Wittgen: "Ein Musikstück von fünfzehn bis zwanzig Minuten Dauer kostet 25 000 bis 30 000 Mark, ein abendfüllendes Werk gar bis zu 250 000 Mark." Da die Auflage aber meistens "nur zwei bis drei Materiale" betrage, müßten die Werke "zu einem Preis angeboten werden, zu dem kein Orchester sie zu kaufen wünscht" – etwa 10 000 Mark.