Der neue niedersächsische Kultusminister Georg-Berndt Oschatz sieht das "Lernziel Solidarität" auf dem Prüfstand. Der Minister wörtlich: "Es hieße auf einer Glatze Locken drehen, wollte man, ohne schmerzliche Einschnitte gegenüber den Arbeitsplatzbesitzern und ohne die problematische Haushaltslage des Staates zu berücksichtigen, einfach weiter zu den bisherigen Bedingungen Lehrer einstellen."

Oschatz sucht darum das Gespräch mit den Lehrerverbänden und den Gewerkschaften, um einschneidende Sparmaßnahmen vorzubereiten: Weniger Geld für neueingestellte Lehrer und Reduzierung der Pflichtstundenzahl bei gleichzeitiger Gehaltskürzung. Eine Maßnahme allein reiche möglicherweise nicht mehr aus, um die Arbeitslosigkeit der Lehrer zu bekämpfen, ohne dabei die Staatsfinanzen unerträglich zu belasten.

Löblicher Realitätssinn. Mancher betroffene Pädagoge wird sich jetzt allerdings fragen, ob er den Minister an seinen Worten oder an seinen Taten messen soll. Zwischen seinem Ausscheiden aus dem Amt des Wiesbadener Oberbürgermeisters und dem verfassungsmäßig früher nicht möglichen Amtsantritt als Kultusminister leistete Oschatz sich und dem Steuerzahler ein dreiwöchiges Intermezzo als Staatssekretär im niedersächsischen Innenministerium. Sicher nicht die solidarischste Weise, die Zahl der Arbeitslosen um eine Person zu vermindern. Wollen wir zugunsten des neuen Ministers in Hannover annehmen, daß er in der kurzen Zeit im Innenministerium seinem kurzzeitigen Chef und jetzigen Kollegen Möcklinghoff wacker zuarbeitete – das. Unbehagen bleibt doch.

Über 30 000 Lehrer mit Zweitem Staatsexamen sind nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in diesem Jahr ohne Vertrag geblieben. Das sind rund 50 Prozent mehr als 1981, sagt die GEW. Knapp 11 000 sind als Beamte oder Angestellte eingestellt worden. Die Bilanzen der einzelnen Bundesländer sind überraschend unterschiedlich und widerlegen manches Klischee: Bei weitem die meisten Stellen für Junglehrer fanden sich in Bayern – absolut (4000 neue Lehrer) und bezogen auf die Einwohnerzahl des Landes. Nach diesem Kriterium sieht es außer in Bayern nur noch in Baden-Württemberg halbwegs erträglich aus. Die schlechtesten Aussichten haben junge Lehrer dagegen im Saarland; den zweiten und dritten Rang auf dieser unerfreulichen Liste belegen Rheinland-Pfalz und Hessen.

Der Düsseldorfer Wissenschaftsminister Hans Schwier betrat feindliches Territorium. Zur Eröffnung des Historikertages in Münster sprach er vor Vertretern einer Disziplin, die von seinen Spar- und Kürzungsplänen besonders getroffen wird. Schwiers Gegenoffensive gab sich wissenschaftlich: "Offensichtlich bilden Macht und Innovation ein unverträgliches Gespann. Der Revolutionär – das war von jeher der Außenseiter ... Eine Vertauschung der Rollen – also etwa der Staat als innovatorischer Faktor – das muß Erstaunen und Protest, ja Entrüstung hervorrufen." Die Innovation des Ministers (nach seiner eigenen Interpretation): Anwendung des Effizienzbegriffs auf die Wissenschaften. Gegenfrage der Historiker: Wie mißt man unsere Effizienz? Und wie vermehrt man Effizienz durch Stellenkürzung?

Deutschland im Herbst 1982. Die Universität Bremen weist ihre Angehörigen auf die Gefahren hin, die beim Steigenlassen von Drachen entstehen. Berührungen zwischen den Drachen und den offen liegenden Leitungen der Elektro-Freiluftschaltanlage auf dem Campus seien lebensgefährlich.

Peter Pedell