Das Gerücht kursierte schon seit Wochen: Springer und Burda, die beiden fusionswilligen Verlagsgiganten, bauten an einem neuen Modell. Nachdem das Bundeskartellamt den ursprünglichen Plan untersagt hatte, daß Burda sich in zwei Schritten mehrheitlich an Springer beteiligt und so das offene Nachfolgeproblem des Branchengrößten (Bild, Bild am Sonntag, Welt, Welt am Sonntag, Hörzu) löst, schien sich eine Variante anzubahnen: eine kartellrechtlich nicht relevante Minderheitsbeteiligung von 24,9 Prozent. Das indes konnte nur ein Teil des Dominospiels sein, der allein für sich keinen Sinn gab.

Diese Woche wurde der fehlende Stein auf den Tisch gelegt. Wenn Informationen der Frankfurter Rundschau stimmen, dann ist der Schweizer Verlag Jean Frey der dritte im Bunde, der den Bund Burda/Springer perfekt machen könnte. So perfekt, daß das Bundeskartellamt am Ende den geprellten Verlierer in diesem Monopoly spielen muß. Und der bisherige Beobachter, Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, kann seinen Ruf als Retter von Marktwirtschaft und Wettbewerb ohne Flecken über die Runden bringen.

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Die Vorgeschichte: Genau vor einem Jahr hatte das Berliner Kartellamt die Elefantenhochzeit zwischen dem Berliner Springer-Verlag und dem Offenburger Burda-Verlag untersagt – die Ansammlung so viel publizistischer und wirtschaftlicher Macht konnten die Wettbewerbsbeamten nicht durchgehen lassen. Um in ihrem Vorhaben nicht durch lange Instanzenwege gebremst zu werden, suchten die fusionswilligen Verlagshäuser den – gesetzlich, vorgesehenen – Weg der ministeriellen Sondergenehmigung. In einem Anhörungsverfahren im Bundeswirtschaftsministerium versuchte der Leiter der Grundsatzabteilung, Hans Tietmeyer, für seinen damaligen und heutigen Chef herauszufinden, welche Auswirkungen der Zusammenschluß haben könnte. Die Kontra-Argumente, das mußten wohl selbst die zahlreich angereisten hochkarätigen Springer-Manager gespürt haben, überwogen deutlich, während die Pro-Aussagen eher dürftig ausfielen.

Da war es denn auch folgerichtig, daß die beiden Giganten dem Ministerspruch noch einmal zuvorkamen und um eine Denkpause baten. Sie war offenbar noch nicht lang genug und wurde nochmals bis zum 30. November verlängert.

Über die Entscheidung des Ministers indes schien es schon keine Zweifel mehr zu geben. Mit journalistischem Gespür nämlich hatten die Verlagsherren auf die Wende in Bonn gesetzt. Und die kam rechtzeitig.

Die Verlagshäuser hatten den Boden gut bearbeitet. Noch vor der Wende zur Christenpartei hatten die liberalen Minister Lambsdorff und Genscher sich wohlwollender Presseberichte in beiden Häusern versichert. Die "dringenden Hinweise", die etwa die Springer-Redaktionen aus den Verlagsbüros erhielten, es der neuen Regierung leichtzumachen und die neue Aufbruchstimmung zu unterstützen, wurden denn auch befolgt.