Ein Verbot? Werbung, was willst du mehr! Am 15. Oktober läuft in den Kinos der Bundesrepublik der Film "The Wall" (Die Mauer) an, nach dem Multi-Media-Spektakel der englischen Rock-Gruppe "Pink Floyd". Auf über 30 Millionen – größter Erfolg der Rock-Geschichte – brachte es die Platte mit der Erkennungs-Melodie der Rock-Oper.

Auch der Bayerische Rundfunk hatte keine Scheu, in allen Programmen jahrelang zu senden, was seine (nicht nur) jungen Hörer als akustischen Dauerlutscher mögen: den Trivial-Singsang, der als "Internationale der Protestgeneration" gilt: "Wie don’t need no education." Jetzt wollte der Filmverleih, wie im ganzen Bundesgebiet, auch im Hörfunk des Isar-Senders werben. Dafür wurde der Text der "Jugendhymne der 80er Jahre" übersetzt. Und die Bayerische Rundfunkwerbung? Bildung. sich, plötzlich, an ihren "Bildungsaufle... Die Trotz-Litanei: "Wir brauchen keine Bildung. Wir brauchen keine Gedankenkontrolle... Lehrer, laßt die Kinder in Ruh’ " ist für bayerische Ohren verboten. Werbe-Gewaltige, die ihren Hörern sonst jeden Schwachsinn zumuten, sagen nein zur "Mauer"-Werbung, weil sie "jeder verantwortungsbewußten Kooperation mit den Erziehungsberechtigten in den Rücken" falle.

Ist die Heuchelei der ihren "Bildungsauftrag" wie ein Feigenblatt an sich pressenden Werbe-Millionäre lächerlich, so stimmt der Mangel an Bildung in dem Provinz-Sender, der seine Kunden oft bevormundet, indem er sich aus dem Gemeinschaftsprogramm deutscher Rundfunk- und Fernseh-Anstalten ausschaltet, eher wehmütig: Wie die Regierung Südafrikas, die das anti-rassistische Platten-Album "The Wall" jahrelang verboten hat, wissen die Zensur-Polizisten im schwarzen Süddeutschland nicht, daß dieses musikalische "Mauer"-Werk, das die Mauer in unser aller Kopf zum Einsturz bringen will, keineswegs zum familiären oder schulischen Klassenkampf aufruft, sondern ausdrücklich mahnt: "Laßt die Kinder mit ihrem Schicksal nicht allein." R. M.