Es gibt gute Gründe, Fremdwörter zu verwenden, und es gibt schlechte Gründe. Abhanden gekommen sind uns die pathetischen Überzeugungen eines Wilhelm Schneider, der schreiben konnte: "Nachdem wir... uns des Glücks, deutschsprachige Menschen zu sein, recht bewußt geworden sind, müssen wir eines Makels gedenken, der (unsere Sprache) entstellt, einer Krankheit, an der sie leidet...: die Fremdwörter."

Übertrüge ich meinen Satz so ins Englische und spräche von "Wilhelm Schneidens pathetic convictions", dann wäre das eine Beleidigung, denn "pathetic" heißt so viel wie kläglich. Deswegen ist ein Argument für den Gebrauch von Fremdwörtern mit Vorsicht zu genießen, die Behauptung nämlich, Fremdwörter erleichterten die internationale Verständigung.

Erstens ist nicht recht einzusehen, warum für den Franzosen ein deutscher Satz verständlicher werden sollte, nur weil "Friseur" darin vorkommt. Und zweitens wird er ihm vollends unverständlich, weil er selber den Friseur "coiffeur" nennt. Ein rouleau ist für ihn eine Walze und kein Rolladen. Eine Wohnung im Parterre kennt er nicht, sie liegt für ihn au rez-dechaussee. Eine Billion ist für ihn (wie für den Amerikaner) eine Milliarde. Wenn man eine Frau "salopp" und "luxuriös" nennt, macht man ihr damit wahrhaftig kein Kompliment, denn une salope ist eine alte Schlampe, und "luxurieuse" heißt wollüstig, während das Gemeinte im Französischen "luxueuse" hieße. "Raffinesse" gibt es für den Franzosen ebensowenig wie Lungen-"Haschee"; sondern das heißt eben raffinement und hachis. Zwar gibt es "fabricant" und "fabrication", aber ein "Fabrikat" gibt es nicht. Wer partout apart sein will, wird, wenn er das französisch sagt, dahingehend verstanden, daß er überall abgesondert sein wolle.

Im Englischen sind die Möglichkeiten, völlig mißverstanden zu werden, wenn man glaubt, das im Deutschen gebrauchte englische Fremdwort sei zugleich das englische Wort, nicht ganz so zahlreich. Aber auch ein Engländer würde einigermaßen erstaunt gucken, wenn man ihm etwas von einem Twen im Smoking erzählte, den er doch "somebody in his twenties wearing a dinner-jacket" nennen würde. Wer zum "football" geht, kann es erleben, daß der Ball eiförmig ist, dauernd mit der Hand berührt und immer wieder über das Tor geschossen wird. Das Spiel, das er erwartet, heißt "soccer". Und der Geschäftsmann, der einen Betrieb kontrollieren mochte, sollte das nur ja nicht "control" nennen, sonst werden ihm Herrschgelüste unterstellt.

Der Engländer knüpfte auf typisch englische Weise eine Unterhaltung an, in der die Rede war von "spring in the air". Darauf der Deutsche in perfektem Englisch: "Why should I?" Das gehört nun eigentlich nicht hierher. Ich habe nur erzählt, um zu einem Happy-End zu kommen – das den Engländern freilich nur als "happy ending" bekannt ist. Leo