Das Embargo gegen Mannesmann und AEG hat für die Firmen kaum praktische Wirkung

Bei Mannesmann ist man sich schon sicher: Gegen die neuerliche Sanktionsmaßnahme der amerikanischen Regierung, die drei Konzernunternehmen den Zugang zu US-Technologie im Öl- und Erdgasbereich verschließt, wird Einspruch eingelegt. Bei der AEG, die gleichfalls betroffen ist, zögert man hingegen noch. Die unterschiedliche Haltung der beiden Unternehmen hat weniger mit unterschiedlichen Temperamenten der Vorstände als vielmehr mit unterschiedlichen Tatbeständen zu tun.

So fühlt sich Mannesmann auch in der dritten Eskalation der Reaganschen Embargo-Politik als völlig Unbeteiligter. Das Unternehmen war nicht betroffen, als Reagan US-Firmen verbot, Ausrüstungsteile für den Bau der geplanten Erdgas-Pipeline von Sibirien nach Westeuropa zu liefern. Mannesmann verkauft den Russen lediglich Rohre aus eigener Fertigung. Die Firma blieb auch außen vor, als Reagan amerikanische Lizenzen außeramerikanischer Unternehmen für den Bau von Komponenten einfror – bei der Rohrfertigung können US-Unternehmen allenfalls von Mannesmann lernen und nicht umgekehrt.

Völlig unverständlich ist den Mannesmännern nun, warum sie auf einer schwarzen Liste gelandet sind, gemeinsam mit Unternehmen, die entgegen Reagans Weisung auf US-Technologie basierende Teile für die Pipeline an die Russen geliefert und damit die Embargo-Politik ignoriert haben. Denn, so argumentiert man in der Düsseldorfer Konzernzentrale, wer keine Lizenzen aus den USA hat, der kann auch nicht bestraft werden.

So hält man denn das black listing der Konzernunternehmen Mannesmann Anlagenbau AG, Hochdruck Rohrleitungsbau GmbH und Kocks Pipeline Planung GmbH schlicht für ein Mißverständnis. Zwar sei Mannesmann Anlagenbau zusammen mit dem französischen Konzern Creusot-Loire Generalunternehmer für den Bau der Kompressorenstationen. Dies jedoch keineswegs in einer Art, die dem Unternehmen Verantwortung für die das Embargo unterlaufende Lieferung von Turbinen aufbürde.

In der Tat ist die Anlagenbau-Tochter nicht Generalunternehmer im klassischen Sinne. Das würde ja bedeuten, daß sie den Russen die Turbinen verkaufte und AEG-Kanis, das englische Unternehmen John Brown und die italienische ENI-Tochter Nuovo Pignone ihre Unterlieferanten wären. Aber Mannesmann Anlagenbau ist lediglich beratend bei der Auswahl der Turbinenlieferanten tätig gewesen, die Verträge sind unmittelbar zwischen diesen und den sowjetischen Behörden abgeschlossen worden.

So einfach stellt sich das bei AEG-Kanis nicht dar. Es ist nämlich unbestritten, daß die Essener Gesellschaft zwei mit von General Electric gelieferten Rotoren ausstaffierte Turbinen an die Sowjets geliefert und damit nach Meinung der US-Behörden gegen die Embargo-Bestimmungen verstoßen hat. Dem hält die AEG allerdings entgegen, daß sie sich vor Abschluß des Vertrages mit den Russen vom Department of Commerce eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für das Geschäft hat geben lassen. Eine nachträglich verhängte Sanktion sei deshalb unwirksam.