Killerkrankheit taufte sie eine britische Tageszeitung. Von Behördenversagen ist die Rede und von einer besorgniserregenden Epidemie. Anlaß genug für den britischen Gesundheitsminister Norman Fowler, seiner zehn Monate alten Tochter unlängst die umstrittene Vorsorgespritze demonstrativ in aller Öffentlichkeit verpassen zu lassen – vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern.

Keuchhusten, im Fachjargon Pertussis genannt, ist eine Krankheit, die längst überwunden schien. Doch nun tritt sie in Großbritannien nicht mehr nur in Einzelfällen auf: 45 000 kranke Kleinkinder und Säuglinge wurden in den letzten Monaten von dieser ansteckenden Krankheit befallen. Jede Woche kommen mehrere tausend neue Fälle dazu. Bei immer noch ansteigender Tendenz übertrifft die Epidemie bereits deutlich die letzte große Keuchhustenplage vor fünfzehn Jahren.

Die krampfartigen Erstickungsanfälle mit häufigem Erbrechen und der charakteristische pfeifende Husten bei hochrotem Kopf des Kindes sind nicht nur qualvoll und schmerzhaft, sondern auch – insbesondere bei Säuglingen – lebensgefährlich: In diesem Sommer verursachten die Krankheitserreger bereits mehr als zehn Todesfälle.

Jetzt versuchen britische Ärzte in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium, das heftige Aufleben der Bordetella pertussis-Bakterien mit einer Impfkampagne zu stoppen. Allerdings könnte die Aktion wegen der weiten Verbreitung der Krankheit erst im Winter Wirkung zeigen.

Bis dahin befürchten manche Mediziner auch in der Bundesrepublik ähnliche Zustände, denn der Keuchhusten nimmt hier ebenfalls zu. 1976 erkrankten weit unter tausend Bundesbürger, 1980 registrierte eine Studie schon 2700 Keuchhustenkranke – die Hälfte davon Kleinkinder unter vier Jahren. Allerdings kann die Zahl auch höher sein, da es in der Bundesrepublik eine Meldepflicht nur für Keuchhusten-Todesfälle gibt.

Droht auch hierzulande eine Epidemie? Sollten besorgte Eltern den Jüngsten möglichst schnell den Vorsorge-Piekser verpassen lassen? Die Meinungen der Fachleute gehen weit auseinander.

Die behördliche Empfehlung zur allgemeinen Schutzimpfung war 1975 aufgegeben worden: Nur Kinder, Bei denen der Verdacht auf einen besonders schweren oder sogar lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf naheliegt, sollten sich impfen lassen, nicht jedoch Kinder mit Allergien, Krampf- und Nervenleiden sowie Risikogeburten.