Möbelwagen überall. Mögen andere Branchen Not leiden, das Bonner Speditionsgewerbe, auch sonst nicht übel im Geschäft, kann sich über mangelnde Konjunktur keineswegs beklagen. 1969, als es zum ersten "richtigen" Regierungswechsel kam, rieten die Auguren noch augenzwinkernd dazu, von einer Anhöhe in der Umgebung das Stadtbild abzusuchen: wo Rauchfahnen aufstiegen, dort sei Wechsel, da würden Akten verbrannt. Solche Selbstreinigungen hat inzwischen der diskrete Reißwolf übernommen. Statt dessen signalisieren die klobigen Gefährte der Spediteure, wo einer aus- und ein anderer einzieht.

Daß Demokratie Herrschaft auf Zeit ist – nirgends wird das jetzt sinnfälliger als in Bonn. Am einen Tag war Hans Apel noch auf der Hardthöhe zu sehen, im Glanz und Gloria des Großen Zapfenstreichs, den dieser eingefleischte Zivilist, der bisher zivilste unter allen Verteidigungsministern, nicht mag, den aber sein Nachfolger Manfred Wörner, vielleicht nicht zuletzt deshalb, vollständig in Szene setzen ließ.

Am anderen Tag ist der Zivilist Hans Apel einer unter vielen: Da kommt er aus der Bundestagsbibliothek, ohne Rattenschwanz von Chargen und Sicherheitsleuten, mit einem Packen Bücher über die katholische Soziallehre unter dem Arm. Zur Vorbereitung auf die Debatte über die Regierungserklärung der neuen Koalition.

Tempora mutantur. Aber Hans Apel weiß auch: der "große Flemm", der Katzenjammer, kommt noch. Allemal ist Machtverlust von Entzugserscheinungen begleitet

*

Freilich, von Kahlschlag kann einstweilen kaum die Rede sein. Natürlich findet sich versetzt (gelegentlich hastig oder ruppig, auch die neuen Regenten haben sehr unterschiedliche Stile), wer in den Ministerien, die einen ganz neuen und politisch andersfarbigen Herrn erhalten haben, zur "Leitungsebene" gehörte – von den persönlichen Referenten bis zu den Presseleuten. Aber im ganzen geht es bisher eher moderat zu.

Das hat offenkundig vier Gründe. Erstens war das neue Regiment auf den Wechsel nicht vorbereitet; Helmut Schmidt hat die Christlichen und die Freien Demokraten mit der Aufkündigung der alten Koalition kalt erwischt. Und mit der vielgerühmten Personalreserve der Union, gespeichert mit einem Computer im CDU-Hauptquartier, ist es wohl auch nicht so weit her.