Ganz sacht sollte alles zugehen, niemand sollte denken, die neuen Herren in Bonn verübten einen personalpolitischen "Kahlschlag". Doch zumindest bei Finanzminister Gerhard Stoltenberg ist es nun doch anders gekommen: drei von insgesamt neun Abteilungsleitern – Jürgen Wefelmeier, Herbert Glocker und Otto-Erich Geske – hat er gefeuert, einen vierten – Eberhard Hubrich – von der Haushalts- an die Spitze der farblosen Zollabteilung versetzt.

Und nun hat es sogar Horst Schulmann erwischt, den für Währungs- und geldpolitische Fragen zuständigen, fachlich bestens renommierten Staatssekretär, von dem es noch vor zwei Wochen an dieser Stelle geheißen hatte, er werde wohl bleiben dürfen. Vieles hat bei ihm gestimmt, nur eben das Parteibuch nicht, denn Schulmann gehört der SPD an. Ersetzt wird er nun durch Hans Tietmeyer vom Bundeswirtschaftsministerium, wo er bislang die Grundsatzabteilung leitete. Tietmeyer ist CDU-Mitglied.

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Daß die Stimmung schlecht sei, schlechter jedenfalls als die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik, galt schon vor der "Wende" als sichere Erkenntnis. Inzwischen hätte sie zwar unter den mit den Unionsparteien sympathisierenden Investoren besser werden. können, doch drückt nun das geplante Wahldatum vom 6. März – man weiß schließlich nicht, was danach kommt. In einem solchen Stimmungstief verfällt nicht nur der neue Bundeskanzler Helmut Kohl auf das immer wieder eingesetzte, jedoch noch nie nachweisbar erfolgreiche Instrument der Seelenmassage.

Zu denen, die es nun erneut erproben wollen, gehören Hartmut Fanghänel und Reinhart .Lohmann, Inhaber einer Werbeagentur in Frankfurt. Dank ihrer Idee und dank der finanziellen Mithilfe einiger mittelständischer Unternehmer erschien vor einigen Tagen in überregionalen Tageszeitungen eine Anzeige, die sich an jedermann richtete: an die Verbraucher ("Kauft jetzt"), an die Unternehmer ("Unternehmt etwas") und an die Journalisten ("Laßt die Schock-Meldungen"). Uns allen gilt der Hinweis "Auch Sie können etwas für den Aufschwung tun".

Fanghänel versichert freilich, daß er sich nicht von der Wolke des Kohlschen Neubeginns habe maßregeln lassen. Vielmehr sei die Reinzeichnung der Anzeige bereits im August fertig gewesen.

Doch auch "Bild" ist dabei, wenn es um die gute Stimmung geht – und dies gewiß erst seit der politischen "Wende". Der erste Satz eines "Bild-Kommentars" vom Wochenbeginn ging selbst vielen Anhängern der Union über die Hutschnur: "Durch die Bundesrepublik weht ein Geist von Zuversicht und Gemeinsamkeit." So zweifelt etwa einer, der es ganz gewiß wohlmeint mit der neuen Bonner Regierung, der erfahrene Banken-Lobbyist Bernhard Schenk, ob mit diesem schwachsinnigen Hurra-Optimismus der Bundesregierung mit ihren wirtschaftspolitischen Zielen gedient werde. Denn, so sorgt sich Schenk, dieser Optimismus könne alsbald versiegen, wenn der wirtschaftliche Umschwung längere Zeit auf sich warten ließe.