Die Herren unserer sauberen Städte aus Beton fürchten ihn wie einen Terroristen. Die Spuren seiner nächtlichen Aktionen werden rasch getilgt. In der Schweiz wurde er 1981 zu neun Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt: Harald Naegeli, der Sprayer von Zürich, der mit subversiver Phantasie Zeichen eines anderen, bunteren Lebens auf Brandmauern, Parkhäusern, Brückenpfeilern, Toreinfahrten hinterläßt. Den Kölnern sprühte der Künstler der direkten Aktion 1980 und 1981 bei vier heimlichen, mehrere Monate dauernden Streifzügen einen wahrhaftigen Totentanz über das mehr monotone als mittelalterlich erhabene Stadt-Gesicht. Makabre Sensenmänner springen den Passanten an, groteske Figuren verwirren nichtsahnende Bürger an Orten, die durch den aggressiven Witz des Dadaisten Naegeli für kurze Zeit aus ihrer leeren Häßlichkeit gerissen werden: Kunst am Bau, längst wieder zerstört vom städtischen "Amt für Unterhaltung". "Eine Stadt, die man liebt und in der man wirklich lebt, die muß auch graphische Knutschflecken vertragen können", schreibt der Rechtsanwalt und Kunstsammler Louis Peters in seiner Einleitung. (Der Sprayer . von Zürich: "Kölner Totentanz"; Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 1982; 19,80 DM.)