Die Weichen sind gestellt. Aber ob sie die Partei in eine Richtung führen werden, in der es für sie noch eine politische Zukunft gibt, ist damit noch längst nicht entschieden. Zwar haben Hans Dietrich Genschers Beharren auf seiner Kandidatur für den FDP Vorsitz beim bevorstehenden Berliner Parteitag und die GegenKandidatur seines bisherigen Stellvertreters, Uwe Ronneburger, Markierungen gesetzt, an denen sich die wabernde Feindschaft von Wechsel BefÜrwortern und Gegnern sowie aller zusammen gegen Genscher endlich zu einer politischen Alternative verdichten könnte. Doch wird der Druck dieser Entscheidung atisreichen, die Partei in eine Form zu bringen, in der sie von Mitgliedern, Sympathisanten und Wählern wieder akzeptiert wird?

Immerhin: Die Bereitschaft Ronneburgers, gegen Genscher anzutreten, könnte dazu führen, die Fliehkräfte in der Partei zu bremsen. Denn der schleswig holsteinische Landesvorsitzende ist zwar gewiß kein Hofmungs, aber doch ein Vertrauensträger. Er entstammt dem mittelständischen, eher nationalliberal fermentierten Erbteil der Partei dafür steht nicht nur sein bäuerlicher Hintergrund, sondern auch die Zwischenstatioc, die er auf seinem politischen Weg in den fünfziger Jahren bei der Deutschen Partei einlegte, und das deutschlandpolitische Engagement, das seine Tätigkeit seit seinem Wiedereinzug in den Bundestag prägt , gleichwohl ist er mit seinem deutlich linksgeneigten Landesverband gut zurechtgekommen. Anders als ein Exponent der Parteilinken wäre er wohl in der Lage, die Vorbehalte gegen Genschers Politik nicht nur aufzunehmen, sondern sie integrierend in den Zusammenhang der Partei zu lenken.

Das mag den Parteitag retten. Aber rettet es auch die Partei? Die Gefahr der Spaltung hat sich durch Ronneburgers Kandidatur gewiß vermindert. Sie ist ohnedies für die FDP die geringere Drohung. Verhängnisvoller für die Partei wäre die Fortdauer des Bildes, das sie gegenwärtig bietet: gebeutelt vom Entrüstungssturm, der ihr aus den Reihen ihrer Anhänger entgegenschlägt, vor den Kopf geschlagen von Wahlergebnissen, die nur als Bestrafungsaktion verstanden werden können und selbst voll bis zum Rand mit Zerknirschung, Selbstzweifel, Erbitterung und Ratlosigkeit. Da mag es fraglich erscheinen, ob es überhaupt eine Chance gibt für Genschers Strategie, am eingeschlagenen Weg festzuhalten, Fakten zu setzen - und darauf zu hoffen, die Erregungswoge werde sich irgendwann an ihnen brechen. Dagegen spricht auch, daß sich die FDP inzwischen in einer Stimmung zu finden scheint, die über die traditionellen ideologischen Flügel hinausreicht. Sie zeigt die Partei wfllens, sich mit dem Wechsel zur Union abzufinden, ja, ihm sogar - freilich auch dank der Polemik der SPD - zuzubilligen, er sei notwendig gewesen. Aber um so vernichtender fällt die Mißbilligung der Art und Weise aus, in der Genscher diesen Wechsel in die Wege geleitet und exekutiert hat. Aus dieser Stimmungslage ist die Kandidatur Ronneburgers erwachsen.

Tatsächlich mag die Abwahl, besser noch: der freiwillige Rücktritt Genschers und seine Ablösung durch einen Politiker wie Ronneburger für breite Teile in der Partei etwas Verführerisches haben. Der Makel des fliegenden Wechsels gleichsam ausgeräumt durch das Opfer des Mannes, der ihn herbeigeführt hat, die FDP zwar Teilhaber einer Koalition, aber unter einer Führung, in der sich der Vorbehalt gegen diese Koalition auf moderate Weise verkörperte: Wäre das nicht ein Weg, auf dem die FDP wieder mit sich ins reine kommen könnte? Aber wäre das wirklich eine Lösung? Für den Moment sieht es in der Tat so aus, als ginge es nur noch ohne Genscher. Doch die Be