Als die Deutsche Bank zu Beginn dieser Woche überraschend bekanntgab, ihr Kapital im Verhältnis 10:1 um 124 Millionen Mark zum Ausgabepreis von 200 Mark je 50-Mark-Aktie erhöhen zu wollen, war die Börsenreaktion zunächst negativ. Daß die jungen Aktien für das ganze Jahr 1982 dividendenberechtigt sind, also mit der Kapitalerhöhung praktisch eine Aufstockung der Aufschüttung von vermutlich wieder zehn Mark verbunden ist, konnte die Enttäuschung über den Ausgabepreis nicht dämpfen. Denn nicht wenige Börsianer hatten insgeheim auf eine echte Dividendenerhöhung bei der Deutschen Bank gehofft. Jetzt kann davon keine Rede mehr sein.

Es war aber weniger der Berufshandel oder das Publikum, die sich unmittelbar nach Bekanntgabe der Kapitaltransaktion (sie bringt der Deutschen Bank fast 500 Millionen) von den Aktien der Deutschen Bank getrennt haben. An den Verkäufen sind auch Kapitalsammelstellen beteiligt gewesen. Die gezielten Abgaben in den Aktien der Deutschen Bank hatten übrigens schon in der Vorwoche eingesetzt.

Bei allem verständlichen Ärger über den Ausgabekurs von 200 Mark (er entspricht übrigens dem der letzten Kapitalerhöhungen), darf nicht übersehen werden, daß die Deutsche Bank durch die preiswerte Beschaffung neuen Eigenkapitals ihre Wettbewerbsstellung weiter ausbaut. Bei Börsenkursen um 130 Mark dürfte es der Commerzbank oder der Dresdner Bank schwerfallen, selbst zum Ausgabekurs von nur 100 Mark Eigenkapital zu beschaffen. Die Deutsche Bank wird also noch stärker. K. W.

"Zeit spart Geld" auf Seite 36