S.: Ich bin seit 15 Jahren hier in der Friedensbewegung, bei der "Aktion Sühnezeichen". Wir haben viel gemacht. Sind in Polen gewesen, in der Tschechoslowakei ... haben dort gearbeitet, mit den Leuten gesprochen. Wir wollten über die Vorurteile hinwegkommen, über die Ruinen des Krieges. Auch des kalten Krieges. Ich weiß wirklich Bescheid ... Und dann stellt sich Wolf Biermann im Fernsehen hin, im 1. Programm, und behauptet, daß die ganze Friedensbewegung von der DKP beherrscht wird ... Das ist einfach falsch, ich weiß es besser. Es gibt natürlich DKP- und SEW-Mitglieder und Sympathisanten, auch in der "Aktion SühnezeichenSie arbeiten dort mit wie andere auch, haben aber keine Mehrheit. Und ich muß das ganz offen sagen: Viele von ihnen habe ich kennengelernt als engagierte Friedensfreunde, die andere mitreißen können. Und die sagen nicht: "Kommt in die Partei!" Die haben Toleranz gezeigt und waren zu Kompromissen bereit. Fast alle kämpfen im Berufsleben gegen Verbote und Schwierigkeiten ... Wir grenzen niemanden aus, der für den Frieden ist. Ganz klar, es gibt verschiedene Meinungen. Aber wie soll denn das anders sein in einer Massenbewegung?

F.: Ich bin auch für Kompromisse. Aber nicht um jeden Preis.

S.: Um jeden Preis nicht, nein. Aber verstehst Du nicht: Seit Jahren hören wir von rechts den Vorwurf: "kommunistisch unterwandert, ferngesteuert aus Moskau und Ostberlin". Es gibt parlamentarische Anfragen, der Verfassungsschutz ermittelt wie bei euch die Stasi, Strauß und andere posaunen das liebend gerne in die Welt. Damit sollen breite Kreise der Bevölkerung abgeschreckt werden. Die haben doch alle noch ihren Antikommunismus-Raster. Zu Hause habe ich einen ganzen Hefter voll mit Zeitungsmeldungen, ich kann das belegen. Und dann setzt ihr euch hin und behauptet ganz genau dasselbe. Da muß ich einfach an die Decke gehen, wenn solche Sachen aus den vermeintlich eigenen Reihen kommen. Das ist alles ein Problem, das weiß ich auch. Aber das diskutiert man intern, nicht vor Millionen von Zuschauern, die sowieso nur ein Viertel oder weniger mitbekommen ... Vierhunderttausend waren in Bonn in diesem Jahr. Waren das alles DKP-Anhänger? Das ist absurd!

F.: Wer hat denn das gesagt? Ich habe auch in Bonn gesprochen, habe eine Rede gehalten. Ich habe über den Zusammenhang von östlicher und westlicher Friedensbewegung gesprochen. Und gegen Schieläugigkeit. Und für wirkliche, ungeteilte Solidarität. "Verständigen wir uns von unten her, über die militärischen und ideologischen Schützengräben hinweg", habe ich gesagt.

S.: Ich weiß.

F.: Ich wurde "offiziell" eingeladen. Bestimmte Mitglieder des Organisationskomitees waren dagegen, aber es gab eine knappe Mehrheit, auch einen wie mich einzuladen. Die Grünen setzten sich ein, die "Russell-Peace-Foundation" ...

S.: Wie könnt ihr dann sagen, daß ihr behindert werdet?