Warum Elternbeiräte der Schule wirkungsvoll helfen können

Von Lutz Dietze

Alljährlich, meist in den ersten Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres, werden in Deutschland etwa 650 000 Mütter und Väter zu Elternbeiräten gewählt: Sie heißen dann Klassen-, Jahrgangs-, Stufen-, Abteilungs- und Schulelternbeiräte. Gewählt werden auch Elternmitglieder für Klassen-, Fach-, Schul- oder Gesamtkonferenzen; hier gibt es je nach Bundesland erhebliche Unterschiede. Auf überschulischer Ebene bilden sich Gemeinde- und Kreiselternbeiräte, Schulregion- oder Bezirksbeiräte; schließlich außer in Bayern und Nordrhein-Westfalen Landeselternbeiräte, deren Dachorganisation Bundeselternrat heißt.

Hier hat sich im Rahmen der in den letzten Jahren abgeschlossenen Schulverfassungsreform eine erhebliche bildungspolitische Macht entwickelt. Sie fällt quantitativ auch dann ins Gewicht, wenn man berücksichtigt, daß in den "höheren" Ringen Mehrfach-Mandate zur Wahrnehmung des Amts entweder Voraussetzung oder üblich sind. Die Zahlen besagen allerdings wenig über Umfang und Auswirkung des Elternengagements in der Schule und ihren Einfluß auf das Schulwesen. Da gibt es – nicht nur wegen der unterschiedlichen Rechtslage – von Bundesland zu Bundesland, Schulart zu Schulart, Schule zu Schule erhebliche Unterschiede.

Überdurchschnittlich rege ist das Elterninteresse und damit meist auch die Aktivität der Elternbeiräte in Schulen, in denen der Bildungsweg des Kindes entweder noch offen ist, also in Grundschulen und Integrierten Gesamtschulen, oder in denen nach der sozialen Zusammensetzung der Elternschaft gegenüber der Schule die Schwellenangst weniger zu Buche schlägt, also den Gymnasien.

Nicht alle sind Nörgler

Das Image der Elternbeiräte in der Öffentlichkeit ist zwiespältig. Da werden nicht nur Aktivitäten von privaten Elternvereinigungen mit denen der gesetzlichen Elternvertretungen verwechselt. Da wird auch registriert, wenn die Beiräte die Eltern gegen bildungspolitische Entscheidungen der Schulträger und Kultusverwaltungen mobilmachen. Den Beiräten wird schließlich zugerechnet, wenn einzelne Eltern, wie Anfang des Jahres in Hessen, auf dem Prozeßwege die Gerichte dazu bewegen, kulturpolitische Entscheidungen zu fällen, die dann die Bildungspolitiker binden, aber nicht befriedigen. So haftet der ganzen Elternbeiratsbewegung das Odium des Nörglertums, der Querulatorik und Besserwisserei an.