Von Peter Jennrich

Haben Sie Interesse an einem Verfahren, mit dem man menschliche Hormone aus Pflanherstellen kann?" fragte 1942 Russell Marker beim amerikanischen Pharma-Konzern Parke & Davis an. Der Chemiker präsentierte nichts weniger als das Prinzip einer industriellen Fertigungsmöglichkeit der "Pille". Der Branchen-Riese winkte ab: Hormone als empfängnisverhütende Mittel?

Marker, einer der vielseitigsten Chemiker seiner Zeit, bot sein Verfahren einem Pharma-Winzling an. Der akzeptierte und ist heute einer der größten Hormonproduzenten der Welt. Parke & Davis hingegen vergab die Chance auf ein Patent und etliches an Dividende.

Dieses Malheur wird der Upjohn Company, einem amerikanischen Pharmakonzern in Kalamazoo, Michigan, kaum passieren. Als Sune Bergström, ein bis 1957 unbekannter schwedischer Biochemiker, glaubte, er könne eine Methode entwickeln, um Prostaglandin aus Tiergewebe zu gewinnen, winkte Upjohn nicht ab. Vielleicht eine Handvoll Wissenschaftler hatte bis dahin von dem exotischen Molekül gehört, und die Idee des therapeutischen Nutzens dieses Gewebshormons war eine wilde Spekulation.

Gleichwohl finanzierte der Konzern mit umgerechnet 300 000 Mark tonnenweise bestimmte Schafsdrüsen. Aus ihnen isolierte Bergström winzige tausendstel Gramm eines Hormons, das getrost als eine der revolutionärsten Substanzen für die medizinische Therapie gelten darf, die der Mensch je fand.

Für diese "bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Prostaglandine und nahe verwandter biologischer Substanzen", so heißt es in der Begründung des Nobel-Komitees, erhält Sune Bergström, 66, am 10. Dezember 1982 im Stockholmer Konzerthaus den diesjährigen Nobelpreis für Medizin. Er teilt die mit 391 000 Mark dotierte Auszeichnung zu gleichen Teilen mit seinem Kollegen und Landsmann Bengt Samuelsson, 48, und dem englischen Pharmakologen John Vane, 55.

Die drei Forscher sind sich auch als Preisträger schon wohlbekannt. Gemeinsam erhielten sie im November 1977 die höchste amerikanische Ausglandine.