Ettlingen/Baden

Auf den ersten Blick besucht ihre voluminöse Körperlichkeit. Die Maße der Dame mit Sockel: 134-248-120; ihr Schöpfer, der Kieler Bildhauer Walter Rössler, hat sie vor zwanzig Jahren auf den Namen "Junge Alb" getauft. Nicht ohne Grund, denn als Brunnenfigur und Wasserspiel sollte sie das Albufer im badischen Ettlingen verschönern. Das jedenfalls verabredeten damals Künstler und Stadtverwaltung. Doch mit der Fertigstellung des Werks 1968 endete die harmonische Übereinstimmung der Beteiligten. Ein zähes, langjähriges Ringen um einen Standort begann. Er sollte künstlerisch vertretbar sein und keine unnötigen Gelder verschlingen. Der Ettlinger Gemeinderat hatte die ursprünglichen Pläne verworfen.

Während die "Junge Alb" in den Räumen der Stadtwerke in einer Kiste verpackt lagerte und auf ihre Verwendung wartete, suchte man 1970 mittels eines Ideenwettbewerbs einer Lösung näher zu kommen. Vergeblich, die Dame blieb in der Kiste. Leere Stadtkassen oder andere gewichtige Gründe hatten ihre Plazierung unter freiem Himmel eins um’s andere Mal verhindert.

Ein Schauspiel, das seine Wirkung bei dem mittlerweile 79jährigen Kieler Künstler nicht verfehlte. Rössler, der sich im Lauf der Jahre immer wieder bei neuen Bauräten im Ettlinger Amt bekanntmachen und in Erinnerung bringen mußte, hat längst eine Mißachtung seiner künstlerischen Absichten ausgemacht, die ihn, so Rössler, "zutiefst verletzt".

Ende letzten Jahres nämlich beschloß der Stadtrat ohne Rücksichtnahme auf das mögliche Urheberrecht Rösslers, die Schönheit à la Maillol als dekoratives Beiwerk und ohne Wasseranschluß an der Einfahrt zum Parkplatz des örtlichen Hallenbades aufzustellen. "Denn dort ist ja auch Wasser", meinte die SPD-Fraktion lakonisch, während die CDU fürsorglich von einer Dornenhecke sprach, mit der man das wertvolle Stück an dieser Stelle umgeben könnte.

Bildhauer Rössler zeigt sich schockiert ob eines solchen Standorts fünfter Wahl. Die Korrespondenz zwischen Kiel und Ettlingen nahm an Schärfe zu. Seiner Meinung nach könne der Heuchelberger Sandstein, aus dem das Werk gehauen sei, auf Autoabgase empfindlich reagieren. Zudem gerate die Brunnenfigur am Parkplatz ("ein dem Grundcharakter des Werkes zuwiderlaufender Ort") in den "Tropfbereich" von Sträuchern und Bäumen, schrieb Rössler. Es war vergebens. Auch ein Kompromiß Vorschlag des Künstlers, die 5,5 Tonnen schwere Figur im Innenhof des Rathauses aufzustellen, lasse sich nicht realisieren, hieß es eben dort – da stünde sie den alljährlichen Festspielen im Wege.

Während Rössler längst Anwälte mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt hat, zeigen sich die Verantwortlichen in Ettlingen versöhnlich. Sie hoffen, irgendwann bei besserer Finanzlage doch einen allseits befriedigenden Standort zu finden. Die kühnen Pläne, irgendwann einmal die "Junge Alb" in die Alb zu verlegen, erfordern jedenfalls ein aufwendiges Fundament. Die Plazierung im Fluß würde nach Schätzungen von Experten mit rund 600 000 Mark zu Buche schlagen.