DIE ZEIT

Billiges Bad

Kaum hat er das Bundeskanzleramt verlassen, stürzt sich Helmut Schmidt schon in die nächste Schlacht. Auf den Kongressen der Gewerkschaften Textil – Bekleidung sowie Bau – Steine – Erden trat er als ferventer Klassenkämpfer auf, der nur noch "uns hier unten" und "die da oben" kennt.

Rollenwandel

Die Parlamentarischen Staatssekretäre in den Bonner Ministerien sind im Laufe der Jahre immer mehr zu politischen Zauberlehrlingen geworden.

Spreu und Weizen

Ronald Reagan hat vor wenigen Tagen der Sowjetunion einen Weizenberg von 23 Millionen Tonnen zum Verkauf für das nächste Jahr angeboten.

Bewährtes Tandem

Der deutsch-französische Gipfel, die erste formelle Begegnung zwischen Bundeskanzler Helmut Kohl und Staatspräsident François Mitterrand in dieser Woche am Rhein, steht in der verheißungsvollen Tradition eines besonders engen freundschaftlich-nachbarlichen Verhältnisses.

Ein Pfadfinder im Labyrinth

Wetten werden schon lange nicht mehr angenommen: Wann gibt es nur noch Libanesen im Libanon? Das heißt: Ab wann werden sich Syrer und Israelis hinter ihre eigenen Grenzen zurückziehen; ab wann werden die letzten Fatah-Freischärler das Land endgültig verlassen; ab wann müssen sich die meisten der palästinensischen Flüchtlinge "aus dem Staube" machen? Immerhin krallen sich noch 30 000 Syrer und 70 000 Israelis im libanesischen Boden fest, halten an die 7000 Arafat-Anhänger im Norden und Osten ihre Stellungen, halten 500 000 Palästinenser in ihren zum Großteil zerstörten Lagern aus.

Zeitspiegel

Reklame ist wichtig, Werbung ist alles. Wer wüßte das besser als Könige, die zu eben diesem Zweck herumgeschickt und eingeladen werden.

Worte der Woche

"In der Tarifpolitik sollen sie Lohnverzicht üben, in der Sozialpolitik hinnehmen, was ihnen die Bundesregierung serviert, und den Weg in die deflationistische Arbeitslosigkeitspolitik auch noch als ‚Wende‘ begrüßen.

Sind wir Liberalen noch zu retten?

Es geht nicht ohne ein Stück Bewältigung der jüngsten Vergangenheit, wenn man sich Klarheit verschaffen will über die Gründe, die die FDP in die bisher wohl schwerste Krise ihrer Existenz gestürzt haben.

Das große Dilemma

Die Weichen sind gestellt. Aber ob sie die Partei in eine Richtung führen werden, in der es für sie noch eine politische Zukunft gibt, ist damit noch längst nicht entschieden.

Probleme der Opposition: Partei im Übergang

Wenn es im Augenblick für Bonn ein Schlüsselwort gibt, dann heißt es "Übergang". Hat sich die neue Regierung mit dem 6. März als zunehmend bekräftigtem Termin für Neuwahlen zum Bundestag einen Stichtag gesetzt, so betrachtet sich die Opposition bis dahin zumindest als Regierung im Wartestand.

Ost-Berlin: Sorgen um die Kontinuität

Der Regierungswechsel in Bonn hat die DDR-Führung offenkundig verunsichert. Die Stellungnahmen aus Ost-Berlin reichen von der platten Polemik bis zur abwartenden Erklärung, es sei noch zu früh, sich umfassend zu äußern.

Ronald Reagans Wirtschaftspolitik: Die große Flaute bedrückt Amerika

Ronald P. Reagan, ein 24jähriger Novize in der berühmten Truppe des New Yorker Jeffrey Balletts, ist arbeitslos. Er lebt von wöchentlichen Handreichungen jenes modernen Leviathans, den sein Vater, der Millionär und Präsident, so gern verächtlich macht: Der geschmähte Wohlfahrtsstaat zahlt dem jungen Mann an jedem Montag 125 Dollar.

Nobelpreis für zwei Rüstungsgegner

Mit seiner Wahl löste das norwegische Nobelpreis-Komitee diesmal Überraschung aus. Vor allem die Polen waren enttäuscht, daß nicht Lech Walesa, der internierte Arbeiterführer, den Friedensnobelpreis erhielt.

Polen: Zorn, Verzweiflung und Trauer

In den polnischen Großbetrieben wurde zu Beginn dieser Woche normal gearbeitet, obwohl die Arbeiter in den großen Werken von Warschau, Nowa Huta und Danzig aus dem Untergrund zu neuen Streiks aufgerufen worden waren.

Seinen Überzeugungen treu geblieben

Es gibt wenige Politiker, die ihren Überzeugungen treu bleiben, ohne in Selbstgerechtigkeit zu verfallen. Der am vorigen Montag im Alter von 75 Jahren in Paris verstorbene Linksliberale Pierre Mendès-France gehörte zu ihnen; deshalb war er über die Grenzen Frankreichs hinaus als Staatsmann geachtet.

Spanien: Ein Putschist fürs Parlament

Wo sie sich treffen, spielen sie sein Lieblingslied: den Jägerchor aus der Oper "Der Freischütz" – als sei ihr Herold mit dem Helden der Weberschen Volksoper identisch, der sich der Sage nach mit Hilfe des Teufels Freikugeln verschaffte, von denen sechs unfehlbar trafen – und die siebte dem Teufel selbst gehörte.

Klärschlamm-Affäre: Rosen, Tulpen, Cadmium

Als der Göttinger Bodenkundler Dr. Holger Wildhagen im Herbst 1979 sein neues Eigenheim fertiggestellt hatte, brauchte er zur Ausgestaltung des Gartens noch 40 Kubikmeter Muttererde.

Ausländerpolitik: Rückkehr in zwei Richtungen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Lothar Späth ist bundesweit mit seinem Vorschlag in die Schlagzeilen gerückt, an ausländische Arbeitnehmer finanzielle Rückkehrhilfen und Rückkehrprämien zu zahlen.

Lösung in Etappen

In rheinland-pfälzischen Justizvollzugsanstalten einsitzende Häftlinge haben seit letzter Woche wieder mehr Freizeitmöglichkeiten: Pingpong und Fernsehräume, die ihren islamischen Mithäftlingen als Behelfsmoscheen dienten, sind freigeworden.

Hausbesetzung: Strafe für den Spekulanten

Für Amtsrichter Pauli ist er ein Finanzgenie: der Kieferchirurg Peter K. mit Wohnsitz im Tessin, Praxen in Berlin und dem badischen Donaueschingen und Immobilien in Stuttgart.

Bürgerinitiative: Ein Begehren kam zu spät

Baden-Württemberg hat nicht nur in der Landesverfassung direkt-demokratische Elemente, auch seine Gemeindeordnung will "verantwortliche Teilnahme" durch Bürgerbegehren und Bürgerbescheid ermöglichen.

Standort-Problem: Große Dame hinter der Dornenhecke

Auf den ersten Blick besucht ihre voluminöse Körperlichkeit. Die Maße der Dame mit Sockel: 134-248-120; ihr Schöpfer, der Kieler Bildhauer Walter Rössler, hat sie vor zwanzig Jahren auf den Namen "Junge Alb" getauft.

Hinweis

Heinrich Böll/Lew Kopelew/Heinrich Vormweg: "Antikommunimus in Ost und West." Wahrscheinlich ist es leichter, die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden als unter den Emigranten aus Osteuropa jemanden, mit dem man unbefangen über das Thema Antikommunismus sprechen könnte.

Polen: Suche nach Demokratie

Zu der geistigen Bilanz der anderthalb Jahre andauernden und dann so drakonisch abgebrochenen polnischen Erneuerungsbewegung gehören leider relativ wenig Bücher.

Nahum Goldmanns Autobiographie: Ein unvergeßlicher Jude

Und wie er erst, der Außenseiter, der "Verräter" (so 1944 auf Plakaten der heute regierenden Herut-Partei), gegen Israels Ministerpräsidenten, die er achtete, die ihn achteten, zu Felde zog: gegen den Diktator Ben Gurion, der ihn in sein Kabinett holen oder zumindest zum Oppositionsführer machen wollte, gegen die unversöhnliche Araber-Verächterin Golda Meir, die einmal keineswegs abschätzig von ihm sagte, er sei ein "Kopf mit vielen Hüten", gar nicht zu reden erst recht von dem, was Menachem Begin von ihm hielt und er von diesem zur Zeit amtierenden Ministerpräsidenten.

Vom Elend des amtlichen Naturschutzes

Beratung und Unterstützung der mit der Pflege und Entwicklung der Landschaft befaßten öffentlichen Stellen, Überwachung der Einhaltung der im Naturschutzgesetz erlassenen Gebote und Verbote, Mitwirkung bei öffentlichen Planungen und Maßnahmen, die die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege berühren können: Das sind im wesentlichen die gesetzlichen Aufgaben der Naturschutzbehörden.

Die unreife Alternative

Sogar der Chemieboß setzte plötzlich auf die Sozis. "Wir können bloß hoffen", so flehte Hoechst-Chef Rolf Sammet drei Tage nach der Landtagswahl in Hessen, "daß es bei einer klaren Absage der SPD an eine Zusammenarbeit mit den Grünen bleibt.

Wem Gott ein Amt gibt

Je bedrohlicher die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird, je deutlicher die Krise der öffentlichen Finanzen zutage tritt – und je näher der geplante Wahltermin rückt –, desto dicker und größer werden die Knüppel, mit denen die Vertreter der Parteien und Interessengruppen in der wirtschaftspolitischen Debatte aufeinander einschlagen.

Bonner Kulisse

Ganz sacht sollte alles zugehen, niemand sollte denken, die neuen Herren in Bonn verübten einen personalpolitischen "Kahlschlag".

Wohnungsbau: Ein Faß ohne Boden

Die Bonner Wohnungspolitiker sind sich, trotz des Koalitionswechsels, treu geblieben: Voller Optimismus glauben sie an die wachstumsfördernde Wirkung zusätzlicher Förderprogramme im Wohnungsbau.

Ende der Rezession in den USA?: Tanz auf dem Vulkan

Wie sich das wohl alles zusammenreimt, mögen sich viele Amerikaner fragen: Einerseits ist die Zahl derer, die keinen Job haben, auf elf Millionen gestiegen; mit 10,1 Prozent erreichte die Arbeitslosenquote im September ihr höchstes Niveau seit 1941, als die USA noch unter den Fernwirkungen der Großen Depression litten.

Börsen-Report: Deutsche Bank bittet zur Kasse

Als die Deutsche Bank zu Beginn dieser Woche überraschend bekanntgab, ihr Kapital im Verhältnis 10:1 um 124 Millionen Mark zum Ausgabepreis von 200 Mark je 50-Mark-Aktie erhöhen zu wollen, war die Börsenreaktion zunächst negativ.

Lohnrunden: Die Wende kam schon 1981

Die halbjährige Pause bei den Lohnerhöhungen im kommenden Jahr, ein Vorschlag, mit dem der neue Arbeitsminister Norbert Blüm hervortrat, wird allenthalben diskutiert.

Voll weitergegeben

Geiger: Die außenwirtschaftliche Belastung der Geldpolitik hat in den letzten Monaten deutlich nachgelassen, wie sich vor allem am Ausgleich der Leistungsbilanz zeigt.

Zeitraffer

Für die Wintermonate sieht die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt düsterer aus denn je. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit 2,2 Millionen Arbeitslosen, nicht zuletzt, weil jetzt besonders die geburtenstarken Jahrgänge auf den Markt drängen.

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